Politik : Ahoi, Kanzler

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Na, auch auf schwankendem Grund? Die Wogen der Empörung gehen hoch, der Wind kommt steif von vorn, Deutschland in schwerer See, die Ratten verlassen das sinkende Schiff . . . man wird langsam seekrank. Wer hat angefangen? Die FDP, natürlich, die schon wieder. „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, ist einer der die Sache regelt“ – Guido Westerwelle, Parteitag Düsseldorf, Mai 2001. Es reimt sich. Aber war dem jungen Mann bewusst, dass die hohe Zeit der Dampfsegler ( „. . . dampft und segelt . . .“) mit der hohen Zeit des Liberalismus zusammenfiel, so um 1848 herum? Dass es danach mit der Gattung rapide abwärts ging? „Dampfsegler“ in der Internet-Suchmaschine produziert Seiten um Seiten mit Wrack-Standorten. Vielleicht doch kein ganz glücklicher Vergleich. Na, und unser aller Schröder! „Der Kanzler wird nicht das Schiff verlassen.“ Ja, was soll das heißen? Universitäten haben Kanzler, die sind da Verwaltungschefs, das Wort kommt von „Kanzlei“. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, hat eine Kanzel, was immerhin so ähnlich klingt. Aber wie kommt das Schiff zum Kanzler? Der alte Adenauer ist morgens immer von Rhöndorf her mit der Fähre ans andere Rheinufer geschippert, ist auch per Schiff in die USA gereist – hat jedoch alle diese Schiffe einzig zu dem Zweck betreten, sie wieder zu verlassen. Der Mann hatte ein Ziel. Wenn der Unsere also an Bord bleiben will, dürfen wir im Umkehrschluss . . .? Ach, das Schiff, es dümpelt vor sich hin. Draußen auf der Spree treiben Eisschollen, keilen Frachtkähne ein, frieren sie fest. Von fern eine Melodie: We all live in a yellow submarine. Alle Mann auf Tauchstation. Unter Wasser spürt man den Seegang nicht.

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