Aids-Hilfe : Regierung will HIV-Praxen beibehalten

Die Bundesregierung will sich dafür einsetzen, dass die Pauschalen für HIV-Schwerpunktpraxen auch ab 1. Januar 2009 weiter gezahlt und nicht, wie von den Krankenkassen geplant, abgeschafft werden.

Udo Badelt

Berlin„Die Regierung wird nicht zulassen, dass Versorgung in diesem Bereich abgebaut wird. Sie können mich beim Wort nehmen, dass es kein Abweichen davon geben wird“, sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt unter heftigem Applaus beim jährlichen Empfang der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) im Umspannwerk am Kreuzberger Landwehrkanal. Für die DAH sei dies, so Sprecher Jörg Litwinschuh, ein „wichtiges Signal“. Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützte die Haltung Schmidts und würdigte zugleich die Arbeit von deren Vorgängerin Rita Süssmuth, die zu Beginn der Aids-Krise in den 80er Jahren den seuchenpolizeilichen Ansatz zurückgedrängt und einen gesamtgesellschaftlichen Lernprozess eingeleitet habe: „Dafür hat sie in unserer Partei nicht immer nur Lob bekommen. Und trotzdem war es richtig.“

Die Deutsche Aids-Hilfe feierte mit diesem Empfang ihr 25-jähriges Bestehen. Sie wurde im September 1983, zwei Jahre nach Entdeckung erster Symptome der neuen Krankheit, gegründet und koordiniert die Arbeit der Aids-Hilfen im gesamten Bundesgebiet.

Eine Multimediapräsentation rief die Geschichte des Vereins vor allem in Form der Broschüren und Plakate in Erinnerung, die er im Laufe der Jahre herausgegeben hat, erinnerte aber auch an Mitarbeiter, die inzwischen verstorben sind. Vorstandsmitglied Tino Henn betonte in seiner Rede, dass sich vor allem drei Konzepte als tragfähig für die Zukunft erwiesen haben: Selbsthilfe der Betroffenen, strukturelle Prävention von Neuansteckungen und politische Interessenvertretung. „Die Aids-Hilfe muss ihre Unabhängigkeit so weit wie möglich bewahren. Vom Staat. Von der Medizin. Und erst recht von der Pharmaindustrie und den Lobbyisten im Gesundheitswesen“, so Henn.

Moderiert von Thomas Hermanns, trat anschließend die amerikanische Jazz- und Soulsängerin Jocelyn B. Smith auf und sang Titel wie „We Shall Overcome“. In zwei Wochen, am 1. Dezember, erinnert der Welt-Aids-Tag daran, dass die Krankheit noch nicht besiegt ist.

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