Politik : Aids: Milliarden zur Bekämpfung der Immunschwäche

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat die Gründung eines Milliarden-Fonds zur Bekämpfung von Aids vorgeschlagen. Weltweit seien insgesamt jährlich sieben bis zehn Milliarden US-Dollar (15 bis 22 Milliarden Mark) nötig, um der Immunschwächekrankheit Einhalt zu gebieten, sagte er am Donnerstag auf dem Aids-Gipfel der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in Abuja in Nigeria. Es ist das bislang größte Treffen zum Thema Aids in Afrika. Kein Kontinent sei so stark von Aids betroffen wie Afrika, sagte Annan.

Die benötigten Mittel für die "Kriegskasse" zur Aids-Bekämpfung entsprächen gut einem Prozent der jährlichen gesamten Militärausgaben. Das zusätzliche Geld werde für Forschung, Aufklärungskampagnen, Kauf von Kondomen und Medikamenten, für Aidstests und die Verbesserung der Gesundheitssysteme gebraucht. Er werde die Idee eines weltweiten Fonds in den nächsten Wochen weiter mit zahlreichen Experten diskutieren, kündigte Annan an. Er hoffe, dass der Fonds "in naher Zukunft" funktionsfähig sei.

Annan erinnerte an sein Treffen mit Vertretern von sechs großen Pharmakonzernen Anfang des Monats in Amsterdam und sagte, sie seien jetzt bereit, den armen Ländern Medikamente zu stark reduzierten Preisen zu liefern. Wegen der Schwere der Aids-Krise sollten sich diese Länder alle Optionen offen halten - auch die Herstellung und den Import von Nachahmer-Medikamenten unter Lizenz in Übereinstimmung mit internationalen Abkommen.

Der aus Ghana stammende höchste UN-Vertreter appellierte an die versammelten afrikanischen Staatsmänner, die Mittel zur Aids-Bekämpfung zu einer Priorität in den nationalen Haushalten zu machen. Die Regierungschefs müssten sich auch dafür einsetzen, dass die Diskriminierung HIV-Positiver beendet werde und die "Mauer des Schweigens und der Scham" falle, die die Krankheit in Afrika immer noch umgebe. "Die Menschen dürfen keine Scheu haben, darüber zu sprechen", forderte Annan.

Unterdessen kritisierten die katholischen Bischöfe Kenias scharf die Kampagne der Regierung des Landes, zum Schutz vor Aids Kondome zu benutzen. Derartige Ratschläge seien "unmoralisch" und förderten eine sexuell freizügige Gesellschaft, betonte der Vorsitzende der Kenianischen Bischofskonferenz, Bischof John Njue von Embu, in Nairobi. Die katholische Kirche werde die derzeit in Arbeit befindlichen Unterrichtsrichtlinien zum Thema Aids boykottieren, wenn die christlichen Kirchen des Landes nicht in die Ausarbeitung einbezogen würden.

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