Politik : Aids: Mit den Drogen kommt das Virus nach Osteuropa

Adelheid Müller-Lissner

Großes Aufgebot bei der Vorstellung des diesjährigen Status-Berichts von UN-Aids, des gemeinsamen HIV/Aids-Programms der Vereinten Nationen, am Dienstag in Berlin: Mit Andrea Fischer und Heidemarie Wieczoreck-Zeul hatten sich gleich zwei Bundesministerinnen eingefunden. Die alarmierendsten Zahlen des Berichts kamen aus Osteuropa. Dort leben 700 000 HIV-infizierte Menschen, während es noch vor einem Jahr "nur" 420 000 waren.

Besonders dramatisch ist die Lage in der Russischen Föderation, wie Peter Piot, Exekutivdirektor von UN-Aids, betonte. Die Zahl der Neuinfektionen allein in diesem Jahr ist dort höher als in allen Vorjahren zusammen. Vor allem betroffen sind Drogenkonsumenten, die sich an gebrauchten Spritzen infizieren. Piot wies darauf hin, dass der Kampf gegen die Seuche in einigen Ländern Osteuropas durch einen sozioökonomisch problematischen Hintergrund erschwert ist. Doch gebe es auch ermutigende Initiativen zur Vorbeugung, etwa aus Weißrussland oder Kasachstan.

Rund 5,3 Millionen Menschen weltweit haben sich im Jahr 2000 neu mit HIV infiziert, davon 0,6 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Damit leben derzeit über 36 Millionen mit der Immunschwächekrankheit. In Afrika hat es erstmals etwas weniger Neuinfektionen gegeben. Diese Stabilisierung auf sehr hohem Niveau (3,8 Millionen Neuinfektionen im Jahr 2000) ist nach Ansicht von UN-Aids neben erfolgreichen Präventionsprogrammen auch auf die traurige Tatsache zurückzuführen, dass die Krankheit bereits weite Teile der sexuell aktiven Bevölkerung erfasst hat. Durch Zusammenarbeit mit Kenia, Tansania und Uganda will Deutschland die kostenlose Abgabe eines Medikaments, das die Ansteckung von Kindern bei der Geburt verhindert. Dass Deutschland mit bisher 22 000 am Vollbild von Aids erkrankten Menschen im Vergleich relativ gut dasteht, ist für Ministerin Fischer "ein starkes Argument für internationale Verantwortung".

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