Aids-Prozess in Libyen : Nervenkrieg um Begnadigung geht weiter

Mit Spannung wird heute die Entscheidung des obersten libyschen Richterrats im Fall der zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern erwartet.

155091_0_64371fb3
Neue Hoffnung: Die fünf zum Tode verurteilten Krankenschwestern. -Foto: dpa

Tripolis/SofiaDer oberste Richterrat in Libyen wird voraussichtlich am heutigen Dienstag über die Begnadigung der in einem Aids-Prozess zum Tode verurteilten bulgarischen Krankenschwestern und eines palästinensischen Arztes beraten. Entgegen den Ankündigungen hatte sich das Gremium am Montag nicht mit dem Fall befasst. Der Richterrat könnte die Todesstrafen aussetzen, sie in Haftstrafen umwandeln oder bestätigen. Die fünf Bulgarinnen und der palästinensische Arzt, der inzwischen die bulgarische Staatsangehörigkeit angenommen hat, sollen mehr als 400 libysche Kinder in einem Krankenhaus in Bengasi vorsätzlich mit dem Aids-Virus infiziert haben.

Wie staatliche bulgarische Medien am Montagabend aus Tripolis berichteten, deute die Aufschiebung der Beratungen im Richterrat auf mögliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den Familien der erkrankten Kinder und der in dem Fall vermittelnden Gaddafi-Stiftung hin. Diese hatten sich am Wochenende außergerichtlich auf Ausgleichszahlungen geeinigt und so den Weg für eine Begnadigung geöffnet. Die Eltern sollen demnach eine Million Dollar (726.000 Euro) für jedes kranke Kind erhalten. Einzelheiten der Regelung sollten erst nach der Entscheidung des Rats bekannt gegeben werden.

Ausgleichzahlungen: Eine Million Euro für jedes infizierte Kind

Familienangehörige der Krankenschwestern, die sich am Montagabend vor der libyschen Botschaft in Sofia versammelt hatten, zeigten sich enttäuscht über die Verzögerung. Von Seiten der bulgarischen Regierung gab es zunächst keine Stellungnahme.

Die Auszahlung der Entschädigung an die betroffenen Familien hatte nach Medienberichten bereits am Sonntag begonnen. Im Gegenzug hätten die Familien ihre Einwilligung zu einem Verzicht auf eine Hinrichtung erklärt. Die Bulgarinnen hatten ihrerseits Erklärungen über einen Verzicht auf ein gerichtliches Vorgehen gegen Libyen nach einer Freilassung unterzeichnet

Die verurteilten Frauen und der Arzt werden seit Februar 1999 in Libyen festgehalten. Die ursprünglich 2004 verhängten Todesstrafen waren Ende 2006 und zuletzt am vergangenen Mittwoch bestätigt worden. Die USA und die Europäische Union, der Bulgarien seit Jahresbeginn angehört, hatten sich für die Freilassung der Verurteilten eingesetzt. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben