Politik : Ajatollah prangert Machtfülle des geistlichen Oberhaupts an

Einer der Architekten der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Hossein Ali Montaseri, hat den Einfluss des konservativen Klerus auf den Staat kritisiert. In einem Interview erklärte der Geistliche am Donnerstag, die Legitimität des Systems sei durch die Macht des Wächterrates über die Kandidaten gefährdet. In der Verfassung sei vorgesehen, dass die dort versammelten Kleriker die Wahl überwachen, nicht die Kandidaten. Sollte sich die Macht weiter konzentrieren, könnte die Revolution ihren Rückhalt in der Bevölkerung verlieren und besiegt werden. Der Wächterrat hat Dutzende von gemäßigten Kandidaten aus ideologischen Gründen von der Parlamentswahl am 18. Februar ausgeschlossen. Allerdings lenkte er jetzt offenbar ein. Wie die iranische Presse am Donnerstag berichtete, erklärte sich das Gremium bereit, die Ablehnung zahlreicher reformistischer Bewerber nochmals zu überprüfen. Zwar seien die Entscheidungen völlig legal gefällt worden, doch wolle man nicht ausschließen, dass in einigen Fällen Fehlurteile ergangen seien, räumte der Wächterrat ein.

Der 78-jährige Ajatollah Montaseri steht wegen seiner Kritik am geistlichen Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, seit November 1997 unter Hausarrest in der Stadt Qom. Es werden keine Besuche gestattet. Das Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters wurde per Fax geführt. Montaseri gilt als einer der einflussreichsten Politiker im Iran. In seinem zwölfseitigen Antworttext kritisierte Montaseri auch die zunehmende Machtfülle des geistlichen Oberhaupts. Dessen Autorität dürfe sich nur auf religiöse Fragen beziehen, nicht jedoch auf alle Staatsangelegenheiten.

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