Politik : Aktenbehörde findet Schießbefehl

Magdeburg/Berlin - Erstmals ist in den Stasiunterlagen ein bedingungsloser Schießbefehl gegen DDR-Flüchtlinge entdeckt worden. „Der Befehl fordert zum rücksichtslosen Gebrauch der Schusswaffe ohne Vorwarnung an der Grenze auf – auch gegen Frauen und Kinder“, sagte der Sprecher der Stasiunterlagenbehörde, Andreas Schulze, am Samstag. Er bestätigte damit einen Bericht der „Magdeburger Volksstimme“. Die Aufarbeitung der Vorfälle an der DDR-Grenze erhalte damit eine neue Qualität.

Das in der Magdeburger Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde gefundene Dokument befahl einer Stasi-Spezialeinheit, deren Angehörige als normale Grenzsoldaten getarnt waren, das sofortige Schießen auf flüchtende Grenzsoldaten. In der Berliner Dienstanweisung vom 1. Oktober 1973 heißt es: „Zögern Sie nicht mit der Anwendung der Schusswaffe, auch dann nicht, wenn die Grenzdurchbrüche mit Frauen und Kindern erfolgen, was sich die Verräter schon oft zunutze gemacht haben.“ Die Spezialeinheit bestand von 1968 bis 1985 im Grenzbezirk Magdeburg.

Der siebenseitige Befehl wurde in den Akten eines Unterfeldwebels gefunden, der von 1971 bis 1974 in den Grenztruppen der DDR eingesetzt war. Allein von 1971 bis 1974 sind dem Bericht zufolge 144 Soldaten in den Westen geflohen. Insgesamt seien es mehr als 2800 gewesen, heißt es. Die DDR-Führung hatte stets behauptet, es habe keinen „Schießbefehl“ gegeben.dpa

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