Aktienboom : „Nie auf Kredit spekulieren“

Daniel Bauer, Vorstandsmitglied der in München ansässigen „Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger“, rät trotz Aktienbooms zu überlegten Geldanlagen.

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Das kann man nicht so einfach sagen. Generell ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland recht stabil. Deutsche Unternehmen liefern gute Zahlen, ihre Produkte sind weltweit gefragt. International ist die Lage aber eher unruhig. Die Euro-Krise ist ein wenig vom Radar verschwunden, kann aber immer wieder aufflammen. Auch die gerade so optimistischen US-Amerikaner sind hoch verschuldet. Das kann alles auf die Wirtschaft durchschlagen, deshalb ist es schwer zu sagen, ob der Zeitpunkt zum Investieren nun gut oder schlecht ist.

Was ist beim Investieren zu beachten?

Man braucht einen langfristigen Horizont. Mindestens fünf Jahre, wenn nicht mehr. Wenn ich mein Geld in einem Jahr wieder brauche, sollte ich es nicht in Aktien investieren. Man muss sich nur die starken Schwankungen der vergangenen Jahre anschauen: Vom Tiefpunkt 2003 ging es aufwärts bis 2007/2008, dann kam die Finanzmarktkrise. Zudem sollte man niemals das Geld anlegen, das man zum Leben braucht, sondern nur das, was man übrig hat. Und nie auf Kredit spekulieren. Ganz wichtig ist auch, nur in solide Anlagen zu investieren, wo ich das Produkt auch kenne, einen Geschäftsbericht bekomme und analysieren kann, ob die Bewertung einigermaßen in Ordnung ist. Es locken auch immer unseriöse Anbieter mit unseriösen Renditen.

Sie haben den großen Crash ab 2000 angesprochen. Viele Menschen verloren damals das Vertrauen in Aktien. Ist das Vertrauen jetzt zurück?

Nein. Die Zahl der deutschen Aktienanleger geht immer weiter zurück. Das verursacht großen volkswirtschaftlichen Schaden. Allerdings wächst das Interesse auch wieder, weil momentan die alternativen Anlagen wie Sparbücher und Tagesgeldkonten nur extrem niedrige Zinsen bringen. Oft liegen sie unterhalb der Inflationsrate, dann macht man sogar Verlust.

Daniel Bauer ist

Diplom-Volkswirt

und Vorstandsmitglied

der in München

ansässigen

„Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger“. Das Gespräch führte Elisa Simantke.

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