Aktionsplan gegen Übergewicht : Deutschland soll abspecken

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt will das Thema Ernährung zum Schulfach machen. Der Aktionsplan, mit dem die Koalition gegen Übergewicht und Fehlernährung vorgehen will, erntet auch Kritik.

Berlin - "Für Kinder und Jugendliche gelingt dies am besten mit Angeboten im direkten Lebensumfeld, in den Stadtteilen, den Schulen und Kindertagesstätten", heißt es in einem Antrag, den die Fraktionen von CDU/CSU und SPD am Donnerstag in den Bundestag einbringen wollen.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will in den "Nationalen Aktionsplan" gegen Übergewicht alle Bürger einbeziehen. Bisher würden viele Menschen nicht erreicht, daher sei ein Konzept nötig, das alle anspreche, sagte Schmidt im ZDF. Auch die Lebensmittelindustrie müsse noch genauer angeben, wie sich einzelne Produkte zusammensetzten. Zudem müsse man sich auch den Essstörungen junger Mädchen zuwenden. Schmidt sagte, sie würde ein Pflichtfach Ernährung an Schulen begrüßen. Zudem müsse Sport ein genauso wichtiges Fach wie Mathematik sein.

Mindestens dreimal Sport pro Woche

In Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen wollen Union und SPD unter anderem die Zahl der Sportstunden in Schulen auf mindestens drei pro Woche festlegen. In Ganztagsschulen müsse die tägliche Sportstunde mittelfristig das Ziel sein, heißt es in dem Konzept. Ärmere Familien sollen bei den Kosten für einen Sportverein oder ein Sportstudio unterstützt werden. Ferner soll das Radwegenetz ausgebaut werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die gesunde Ernährung in Schulen. Die Koalition will die Verpflegung in Kitas und Schulen ausbauen und billiger machen. So soll die Mehrwertsteuer auf Schulverpflegung abgeschafft werden. Im Schulalltag soll mehr Zeit für gemeinsame Mahlzeiten eingeplant werden. Schließlich wollen sich Union und SPD laut Konzept dafür einsetzen, die Ernährungskunde in die Lehrpläne der Schulen aufzunehmen. Da für die Umsetzung der Vorschläge hauptsächlich Länder und Gemeinden zuständig sind, fordert die Koalition die Bundesregierung in dem Antrag auf, diesen dafür finanzielle Unterstützung anzubieten.

Die Verbraucherzentralen halten das Aktionsprogramm nicht für ausreichend. "Es fehlen alle konkreten Aussagen", sagte die Chefin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Edda Müller. Die Ausnahme sei der Plan, sich auf EU-Ebene für eine verständliche Nährwertkennzeichnung einzusetzen. Die Verbraucherzentralen wollen die im Kampf gegen Übergewicht bei Kindern stärker in die Pflicht nehmen. "Ein großer Teil des heiß umkämpften Lebensmittelmarkts wird dazu benutzt, dass man spezielle Produkte für Kinder anbietet", sagte Müller. "Dazu gehören zum Teil auch Dickmacher." Sie forderte die Branche zu einer Selbstverpflichtung auf. (tso/ddp/dpa)

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