Aktionstag gegen Extremismus : Thomas De Maizière bittet Muslime um Unterstützung

Bundesweit findet heute ein Aktionstag der Islamverbände gegen Extremismus statt. Bundesinnenminister De Maizière hat die muslimische Gemeinschaft dazu aufgerufen, den Staat beim Kampf gegen Extremisten zu unterstützen.

Rund 2000 Muslime sind zum Freitagsgebet in der Skalitzer Straße in Kreuzberg gekommen. Danach soll demonstriert werden.
Rund 2000 Muslime sind zum Freitagsgebet in der Skalitzer Straße in Kreuzberg gekommen. Danach soll demonstriert werden.Foto: Reuters

Mit einem öffentlichen Friedensgebet haben Hunderte Muslime in Berlin-Kreuzberg gegen Rassismus und Extremismus demonstriert. Die Muslime, überwiegend Männer, saßen beim Gottesdienst am Freitagmittag auf Matten auf der abgesperrten Straße vor der Mevlana Moschee. Auf die Moschee war vor einem Monat ein Brandanschlag verübt worden. Ein Täter wurde noch nicht gefasst. Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten hatten islamische Verbände am Freitag zu Friedensgebeten, Mahnwachen und Kundgebungen aufgerufen. Sie wollten damit gegen islamistischen Terror im Namen ihrer Religion protestieren und sich für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland einsetzen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat die muslimische Gemeinschaft dazu aufgerufen, den Staat beim Kampf gegen Extremisten zu unterstützen. „Nur gemeinsam kann es uns gelingen zu erkennen, wenn junge Menschen in den Extremismus abzugleiten drohen“, sagte der Minister am Freitag in der Eyub Sultan Moschee in Ronnenberg bei Hannover. Gemeinsam müssten Staat und Gesellschaft sich aber auch gegen Muslimfeindlichkeit stellen.

De Maizière begrüßte den Vorstoß der Muslime für ein friedliches Miteinander. „Die Muslime zeigen, dass Hass und Gewalt niemals im Namen des Islam legitimierbar sind“, sagte er zum Aktionstag gegen Rassismus und Fanatismus. In Deutschland sei kein Platz für Gewalt gegen Christen, Muslime oder Juden. „Anschläge gegen Gotteshäuser, gleich welchen Glaubens, sind Anschläge gegen uns alle.“ Religionen sollten Frieden stiften und nicht Hass säen. „Wir haben jetzt und ab jetzt die Chance, mit Vorurteilen und Misstrauen aufzuräumen.“

Der Minister ließ sich in der Moschee den Gebetsraum zeigen, fragte den Imam nach der üblichen Dauer des Gebets und stellte Fragen zum Koran. Zuvor hatte er seine Schuhe ausgezogen und seine Socken vor scherzenden Kameraleuten auf mögliche Löcher hin inspiziert.

Extremisten sind klar in der Minderheit

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat den Aktionstag der deutschen Islamverbände gegen Extremismus und Gewalt ebenfalls begrüßt. Alle Muslime hätten in ihrem Protest gegen den Terror der Extremistenorganisation "Islamischer Staat" (IS) "unsere volle Unterstützung", erklärte Maas am Freitag in Berlin. "Wenn wir die gewaltbereiten Extremisten isolieren wollen, müssen wir die übrigen Muslime stärken." "Wir dürfen nicht zulassen, dass Muslime in Deutschland unter Generalverdacht geraten", fügte Maas hinzu.

Die Extremisten seien unter den Muslimen eine klare Minderheit. "Sie benutzen die Religion nur als Deckmantel." Es müsse ein "ganz klarer Trennstrich" gezogen werden "zwischen der großen Mehrheit der Muslime, die friedlich mit uns lebt und denen, die den Islam missbrauchen, um Unrecht zu begehen".

Viele Muslime in Deutschland wollen Salafisten wie Pierre Vogel nicht mehr die Deutungshoheit überlassen.
Viele Muslime in Deutschland wollen Salafisten wie Pierre Vogel nicht mehr die Deutungshoheit überlassen.Foto: DPA

Wer nach Deutschland komme, um Verbrechen zu begehen, werde "die ganze Härte des Strafrechtes zu spüren bekommen", unterstrich der Minister. "Für gewalttätige Terroristen wird es keine Toleranz geben." Der Rechtsstaat werde "hier mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln einschreiten".

Die muslimischen Religionsgemeinschaften haben für Freitag zu einem Aktionstag unter dem Motto "Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht" aufgerufen, bei dem in mehr als 2000 Moscheen Rassismus angeprangert und Extremismus eine Absage erteilt werden soll. In neun Städten, darunter Berlin, Hamburg, Stuttgart und Frankfurt am Main, sind zentrale Kundgebungen geplant. (mit AFP und dpa)

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