Politik : Akw Biblis wird nicht angefahren Schwere Mängel in Notkühlsystem

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Biblis/Berlin (dpa). Wegen schwer wiegender Sicherheitsbedenken darf der hessische Atomreaktor Biblis A auf unbestimmte Zeit nicht wieder angefahren werden. Möglicherweise ist das Notkühlsystem erheblich kleiner ausgelegt als in den Errichtungsvorschriften vorgeschrieben, teilte das Bundesumweltministerium am Freitag in Berlin mit. Die hessische Atomaufsicht bestätigte, dass nach Messungen vom Donnerstag die Ansaugöffnungen der Notkühlpumpen nur gut halb so groß sind wie vorgeschrieben. Statt 5,9 Quadratmetern betrage ihre Fläche nur 3 Quadratmeter, wie inzwischen auch der TÜV Norddeutschland bestätigt habe, teilte das Umweltministerium in Wiesbaden mit. Bei einem Verstopfen der Öffnungen besteht die Gefahr, dass der Reaktor nicht ausreichend gekühlt und eine große Menge Radioaktivität freigesetzt werde. Man werde dem Wiederanfahren erst zustimmen, wenn die unterstellte Fläche tatsächlich erreicht sei.

Bei der Berechnung des Öffnungsquerschnitts seien offenbar von der Betreibergesellschaft RWE quer laufende Rohre nicht berücksichtigt worden, erläuterte eine Sprecherin des Landesministeriums. Den Zeitpunkt der Fehlberechnung datieren Experten auf das Jahr 1992. Erst bei einem Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Barsebäck sei klar geworden, dass bei einem Kühlmittelverlust abgerissenes Isoliermaterial den Querschnitt verengen könnte. Danach seien die Notkühlsysteme der deutschen Kraftwerke auf dieses Problem hin untersucht worden. Die falsche Berechnung der RWE sei bei den Stichproben der Atomaufsicht niemandem aufgefallen. Die RWE habe den Reaktor daher auch nach 1992 legal betrieben.

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