AKW Fukushima : Regierung bestätigt Kernschmelze

Im havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat es eine Kernschmelze gegeben. In der Gegend gibt es weiterhin hohe Strahlung.

So – oder auch anders? Ein Vertreter der japanischen Atomsicherheitsbehörde erläutert die neueste Entwicklung bei der täglichen Pressekonferenz in Tokio. Foto: dpa
So – oder auch anders? Ein Vertreter der japanischen Atomsicherheitsbehörde erläutert die neueste Entwicklung bei der täglichen...Foto: dpa

Tokio/Berlin - Das teilweise Schmelzen von Brennstäben habe die hohe Strahlenbelastung im Wasser eines der Kraftwerksreaktoren verursacht, teilte die Regierung mehr als zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami mit. Deshalb sei zudem hoch belastetes Material mit Kühlwasser in Berührung gekommen, sagte ein Regierungssprecher in Tokio. Bei einer teilweisen Kernschmelze sind nur einige Brennstäbe betroffen, aber noch nicht der komplette Reaktorkern.

Da am Montag in der Umgebung des Akw erneut eine hohe Strahlung gemessen wurde, ist ein schnelles Ende im Kampf gegen den Super-GAU nicht in Sicht. Nördlich der Atomanlage wurde im Meerwasser eine Konzentration radioaktiven Jods 1150 Mal über dem Grenzwert gemessen. Bei vorherigen Messungen südlich der Anlage war ein Wert 1850 Mal über dem Grenzwert festgestellt worden.

Die Kernschmelze im Reaktor 2 habe wahrscheinlich schon kurz nach dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami am 11. März eingesetzt, erklärte die Regierung. Noch trete die Strahlung hauptsächlich im Inneren des Reaktors auf. Jetzt müsse sichergestellt werden, dass das verseuchte Wasser nicht in den Boden und das Meer entweiche. Diesen Fall wollte Kraftwerksbetreiber Tepco nicht ausschließen, nachdem überhöhte Strahlung in der Umgebung des Akw festgestellt worden war. Bei Wasser in Gräben am Reaktorblock 2 sei am Sonntag eine Strahlenbelastung von 1000 Millisievert pro Stunde gemessen worden. Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenbelastung beträgt zwischen einem und zehn Millisievert pro Jahr.

Tepco gab erstmals zu, dass die Druckbehälter der Reaktoren 1, 2 und 3 womöglich beschädigt seien. Darauf deuteten Spuren radioaktiven Jods 131 und Caesiums 137 hin. Eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums sagte mit Verweis auf Informationen aus Japan, es sei mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ von „Kernschäden“ in den Reaktoren 1, 2 und 3 sowie in den ausgelagerten Brennelementen von Reaktor 4 auszugehen. Es gebe Indizien, die für eine Kernschmelze sprechen. Dies sei allerdings nicht mit einem Durchschmelzen der Reaktordruckbehälter gleichzusetzen, betonte die Sprecherin.

Japans Regierungssprecher Edano kritisierte scharf die Betreiberfirma Tepco. Diese hatte am Sonntag gesagt, die Radioaktivität des Wassers in dem Turbinengebäude liege zehn Millionen Mal über dem erlaubten Wert, später hatte sie die Angaben aber korrigiert. „Da die Messung der Radioaktivität eine wesentliche Bedingung für die Gewährleistung von Sicherheit ist, ist dieser Fehler absolut inakzeptabel“, sagte Edano. Am Wochenende mussten die Arbeiten wegen zu hoher Strahlenbelastung zeitweise ganz eingestellt werden. Drei Arbeiter, die in Kontakt mit radioaktivem Wasser gelangt waren, wurden aus dem Krankenhaus entlassen. Nach Angaben der Ärzte gibt es kein Anzeichen einer ernsten Erkrankung.

Tepco gab zu, dass es keine klaren zeitlichen Vorstellungen für ein Ende der Krise gebe. Der Konzern bat Medienberichten zufolge französische Unternehmen wie EDF und Areva um Hilfe. In Südkorea beschaffte Japan vier Notstrom-Generatoren.

Bei dem Erdbeben und dem Tsunami kamen nach neuesten Informationen 27 000 Menschen ums Leben oder werden vermisst. In der Nacht wurde der Nordosten Japans erneut von einem Erdbeben erschüttert. Es hatte eine Stärke von 6,5. Als erster Staatschef nach der Katastrophe will Frankreichs Präsident Sarkozy am Mittwoch nach Japan reisen. rtr/AFP

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