AKW in Bulgarien : RWE-Kernkraftprojekt Belene steht kurz vor dem Aus

Das AKW-Projekt des Energiekonzerns RWE in Bulgarien ist offenbar gescheitert. Der Bau des Kraftwerks in einem Erdbebengebiet ist sehr umstritten.

Voraussichtlich in der kommenden Woche werde die neue bulgarische Regierung das Ende des Vorhabens verkünden, berichtete die Financial Times Deutschland (FTD) unter Berufung auf Branchenkreise. Die Finanzierung sei nicht gelungen, zitiert die Zeitung eine mit den Vorgängen vertraute Person. Sollte sich die Regierung gegen das Projekt aussprechen, sei dies erledigt. Bulgariens Wirtschaftsminister dementierte, dass das Projekt bereits gescheitert sei: "Bulgarien hat nie erklärt, es wolle das Projekt für das AKW Belene kündigen". Die neue Regierung werde die Vereinbarungen über Belene sowie künftige Möglichkeiten analysieren, sagte der Minister, der auch für die Energiewirtschaft zuständig ist.

An der Donau sollen nach RWE-Plänen zwei Meiler mit einer Leistung von je 1000 Megawatt entstehen. Die Kosten für das geplante Atomkraftwerk belaufen sich nach Schätzungen der früheren bulgarischen Regierung auf rund vier Milliarden Euro. Analysten zufolge könnte sich die Summe aber auf über sechs Milliarden Euro belaufen.

Das Projekt steht seit Baubeginn in der Kritik, da das Gebiet um Belene erdbebengefährdet ist. Außerdem befürchten Kritiker, dass veraltete Technik genutzt werden könnte, weil der russische Konzern Atomstroyexport die Reaktoren liefern soll.

RWE war erst im vergangenen Jahr in die Projektgesellschaft eingestiegen, an der der bulgarische Staat 51 Prozent hält. Derzeit prüft RWE zusammen mit dem staatlichen bulgarischen Energieunternehmen NEK noch, ob das Projekt umgesetzt werden kann. "Im Rahmen des Joint Venture Agreements überprüfen wir alle wichtigen Punkte. Dazu gehören die Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, technische Machbarkeit und Finanzierung des Projekts", sagte RWE-Sprecher Martin Pack.

RWE hat für seinen Anteil einen Partner gesucht, um die eigenen Kosten in Grenzen zu halten. Die Suche sei aber bislang erfolglos geblieben, verlautete aus Konzern-Kreisen. Bei einem Aus müsste RWE die bisher in das Projekt geflossenen Gelder abschreiben. "Dabei handelt es sich eher um einen zweistelligen als um einen dreistelligen Millionenbetrag", sagte eine mit der Situation vertraute Person.

Schon vor Monaten hatte es Berichte gegeben, wonach die bulgarische Regierung die Finanzierung ihres Anteils nicht zusammenbekommt. Bulgariens Ex-Außenminister Iwajlo Kalfin kritisierte das mögliche Aus für das Projekt. Die Energieprojekte mit Russland, darunter das Kraftwerk Belene, seien wichtig für Bulgarien.

In Großbritannien verfolgt RWE zusammen mit Eon ein weiteres Neubauprojekt. Dazu haben die Energiekonzerne Grundstücke für den Bau von Kernkraftwerken erworben. RWE sei Europas größter Emittent des Klimagases Kohlendioxid und brauche dringend CO2-freie Kraftwerksleistung, schreibt die FTD. Sonst drohten RWE nach 2012 Millionenzahlungen für zusätzliche Verschmutzungsrechte.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, ds

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