AKW Krümmel : Atomkraft wird zum Störfall der Koalition

Sie kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. Während CDU-Kanzlerin Merkel den Ausstieg aus der Atomkraft trotz des aktuellen Zwischenfalls in Krümmel nicht beschleunigen will, warnt ihr SPD-Umweltminister Gabriel vor einer Katastrophe.

Ungeachtet des neuen Störfalles im Atomkraftwerk Krümmel will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihren Pro-Atom-Kurs nicht aufgeben. Merkel sehe in den Pannen keinen Grund, ihre Auffassung zu ändern, dass die Nuklearenergie sowohl zum Export als auch als Brückenenergie auf absehbare Zeit unverzichtbar sei, sagte Vizeregierungssprecher Thomas Steg am Montag.

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte derweil an, die Zukunft der Atomkraftwerke zum Thema im Bundestagswahlkampf zu machen. „Am 27. September entscheiden die Deutschen darüber, ob dieser Reaktor und sieben weitere länger betrieben werden sollen, wie die CDU/CSU und Merkel wollen, oder ob wir acht dieser schwierigen Reaktoren endlich abschalten können“, sagte Gabriel in der ARD. Merkel und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) beschuldigte er, als verlängerter Arm der Energiewirtschaft zu agieren. „Merkel und Guttenberg sagen ganz offen: Wir wollen, dass diese alten Reaktoren weiter laufen, weil sie für die Unternehmen eine Million Euro pro Tag Gewinn machen.“ Dies sei nicht zu verantworten, sagte Gabriel. Überdies warnte er vor einer Katastrophe bei einem Unfall oder einem Anschlag. „Daher bin ich dafür, den Atomausstieg zu beschleunigen.“

Rückendeckung von der FDP

Völlig überraschend erhielt der SPD-Politiker Rückendeckung aus dem FDP- Lager. Obwohl die Liberalen die Laufzeiten für schwarz-gelben Wahlsieg verlängern wollen, forderte der schleswig-holsteinicki die Schließung des Kraftwerkes Krümmel. „Krümmel soll nicht wieder ans Netz“, sagte Kubicki dem Tagesspiegel. Die Restlaufzeit des Meilers sollte der Betreiber Vattenfall auf ein neueres Kraftwerk übertragen. Forderungen von Umweltminister Gabriel, die Aufsicht über den Betrieb deutscher Atomkraftwerke nicht länger bei den Bundesländern zu belassen und sie beim Bund zu zentralisieren, stießen in den Ländern erwartungsgemäß auf Ablehnung.

Nicht nur Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) lehnte Gabriels Vorschlag als „reflexartig“ ab. Gegen eine Bundesaufsicht sprach sich auch Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) aus, die in dem Land für die Atomaufsicht zuständig ist. Die erneute Schnellabschaltung des Kernkraftwerkes Krümmel an diesem Wochenende hat nach Angaben des Krümmel-Betreibers Vattenfall zu einem Spannungsabfall von einer Zehntelsekunde geführt. Dieser sei nicht nur in der Landeshauptstadt Kiel, sondern auch in Hamburg zu spüren gewesen.

Der schwedische Energieversorger Vattenfall als Hauptenergieversorger Hamburgs erklärte jedoch, er erkenne von technischer Seite keinerlei Versäumnisse. Stromausfälle würden laut Erik Landeck, einer der Vattenfall-Geschäftsführer, regelmäßig auftreten, etwa bei atmosphärischen Störungen. Aus diesem Grund würden auch alle Schadenersatzforderungen von dem Unternehmen zurückgewiesen.

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