AKW Krümmel : "Einfach nur peinlich"

"Wir überlegen, unsere Heimat zu verlassen" – ein Familienvater spricht im Informationszentrum des Energieversorgers Vattenfall aus, was viele denken. Auch andere Anwohner bringen ihre Ängste zum Ausdruck. Die Bürger in Krümmel sind sauer auf den Energieversorger.

Dieter Hanisch

GeesthachtNach den Störfällen im Siedewasserreaktor Krümmel hat der Energieversorger zum Gespräch geladen; viele besorgte Anwohner folgten der Einladung. Ein Zweifel, der sich im zweieinhalbstündigen Gespräch immer wiederholt, lautet: Wie will Vattenfall die Sicherheit im sensiblen Reaktorbereich garantieren, wenn bereits im konventionellen Außenbereich mit den Transformatoren alles schief laufe, und das nach fast zweijährigem Prüfen, Reparieren und Optimieren während des Stillstands nach dem Trafobrand am 28. Juni 2007?

Vattenfall-Geschäftsführer Ernst Michael Züfle wiederholt mehrfach, dass er überzeugt sei, dass sein Energieunternehmen den Reaktor sicher betreiben könne. „Ich bedaure, was passiert ist. Wir sind nun in der Bringschuld zu beweisen, dass wir es können!“ Die Frage, ob sein Unternehmen schon vor dem Wiederanfahren neue Transformatoren bestellt habe, beantwortet er aber nicht. Die Vattenfall- Konzernspitze hatte das dieser Tage zugegeben. Das dürfe aber nicht als Misstrauen in den Zustand der Altaggregate gewertet werden.

Mit einer Leinwand-Projektion erklärt Züfle, wann die jüngste Panne intern und extern gemeldet wurde. Für den örtlichen CDU-Ratsherrn Karl-Hermann Rosell ist die verspätete Kommunikation am Samstag vor einer Woche einfach nur „peinlich“. Er mahnte Besserung an. Sein Parteikollege Frank Schmeil, der ein Kreistagsmandat bekleidet, findet dagegen, dass Vattenfalls Öffentlichkeitsarbeit doch besser geworden sei als nach dem Brand 2007. Er erinnert an die Arbeitsplätze im Meiler und sagt, am 4. Juli sei doch eigentlich nicht mehr passiert, als wenn privat zu Hause im Stromkreis etwas ausfallen würde. Der CDU-Mann erntet dafür mehrheitlich ein Kopfschütteln.

In Geesthacht hat Vattenfall in diesen Tagen übrigens keine Stromkunden verloren, da diese ohnehin mehrheitlich von den Stadtwerken bedient werden. In Hamburg ist das anders: der Ökostromanbieter Lichtblick sagte auf Nachfrage des Tagesspiegels, er zeichne derzeit täglich rund 500 Neuverträge. Der Zuwachs käme seit dem jüngsten Krümmel-Störfall zu zwei Dritteln von bisherigen Vattenfall-Kunden. Das Unternehmen sieht sich zudem Schadensersatzforderungen ausgesetzt. Nach einem Spannungsabfall durch die Schnellabschaltung setzte bei diversen Industriebetrieben die Produktion aus, Ampeln streikten, Wasserrohre platzten. Allein Hamburgs Wasserwerke beziffern ihren Schaden auf rund 300 000 Euro. Vattenfall sucht auch hier das Gespräch und möchte eine kulante Lösung – auch wenn man sich laut einer Unternehmenssprecherin zu keinen Zahlungen verpflichtet sehe, weil der Spannungsabfall nur eine zehntel Sekunde betrug. Nach Vattenfall- Angaben sei man erst ab drei Sekunden aufwärts zu Entschädigungen gezwungen. 

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