AKW Krümmel : Gabriel will abschalten

Umweltminister gegen Weiterbetrieb des Atomkraftwerks Krümmel. Grüne sehen Vattenfall als Sicherheitsrisiko.

Maris Hubschmid
296780_0_522ff3a5.jpg
Warnzeichen am Atomkraftwerk Krümmel. Die Grünen erneuerten ihre Forderung nach einer sofortigen Abschaltung: Dem Betreiber gehe...ddp

Berlin - Knapp zwei Monate nach der pannenbedingten Reaktorschnellabschaltung im Atomkraftwerk Krümmel wird dessen Betreiber Vattenfall von politischer Seite immer schärfer kritisiert. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) äußerte am Mittwoch in Berlin erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit des Energieunternehmens und schloss auch einen Entzug der Betriebsgenehmigung nicht aus. „Ich denke, dass die Sicherheitskultur bei Vattenfall nicht stimmt“, sagte der Minister nach einer Sondersitzung des Bundestags-Umweltausschusses, die sich mit den wiederholten Störfällen in dem schleswig-holsteinischen Akw beschäftigte. Gabriel hatte sich bereits gegen ein Wiederanfahren des Reaktors ausgesprochen. Zwar betonte er, dass über einen möglichen Lizenzentzug erst entschieden werden könne, wenn die Eignung des Betreibers und der Anlage von der Landesregierung als zuständige Atomaufsicht rechtskräftig geprüft worden sei, nichtsdestotrotz forderte er, eindeutige Signale zu setzen. Man dürfe eine fahrlässige und intransparente Sicherheitspolitik der Unternehmen nicht länger tolerieren. Gabriel sagte: „Wir haben es satt, dass ihr mit Tricks und Hintertürchen versucht, die Atomaufsicht zu behindern.“

In der CDU möchte man sich zur Zukunft des Atomkraftwerks Krümmel erst äußern, wenn die Vorgänge im Reaktor durch ein Gutachten unwiderlegbar geklärt wurden. Mit dessen Fertigstellung sei vor der Bundestagswahl am 27. September aber nicht mehr zu rechnen.

Die Grünen haben deshalb eine separate Studie in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse stellten die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn und die umweltpolitische Sprecherin Sylvia Kotting-Uhl im Anschluss an die Sitzung vor. „Die Informationspolitik des Unternehmens ist desaströs“, fasste Höhn zusammen. „In Schweden gilt die Philosophie Profit vor Sicherheit“. Das Gutachten wirft der Unternehmensführung von Vattenfall fehlendes Risikobewusstsein vor. „Vattenfall hat in den vergangenen zwei Jahren nichts gelernt“, urteilt Oda Becker von der Fachhochschule Hannover. Bereits im Jahr 2007 war das Kraftwerk nach einem Trafobrand vorübergehend stillgelegt worden. Damals habe man die gleichen Notwendigkeiten zur Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen eingeräumt, die nun auch im Fazit des Arbeitsberichts zum aktuellen Vorfall genannt würden.

Vattenfall fehle es an Einsicht, sagte Becker. Der Stromanbieter bemühe sich im Gegenteil darum, Fehler im Produktionsablauf herunterzuspielen. Das lasse befürchten, dass eine Bagatellisierung derartiger Schäden nicht nur nach außen hin, sondern auch intern propagiert werde.

Höhn wies darauf hin, dass jede Störung im Betriebsablauf einer Anlage von solcher Tragweite gravierende Folgen haben könne. Sie bezeichnete den Betreiber Vattenfall als ungeeignet und hält eine Aberkennung der Betriebsgenehmigung wegen mangelnder Zuverlässigkeit für unumgänglich. „Zunächst muss der Reaktor Krümmel endgültig abgeschaltet werden“, forderte Höhn. Alles andere bedeute eine „Zumutung für die Bevölkerung“. Für eine Stilllegung des Reaktors sprach sich auch Heiner Garg, Vizevorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, aus. Aufgabe der Landesregierungen sei es, ein angemessenes Verfahren zu finden, „mit dem es gewährleistet ist, die Reststrommengen von Krümmel auf neuere Anlagen, wie zum Beispiel Brokdorf, zu übertragen“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar