AKW-Studie : Strahlenschutzbehörde wehrt sich gegen Unions-Vorwürfe

Der Union ist die jüngste Studie zu Krebserkrankungen von Kindern in AKW-Nähe ein Dorn im Auge; das Bundesamt für Strahlenschutz habe die Zahlen zu "Anti-Kernkraft-Propaganda" missbraucht, heißt es. Nun wehrt sich die Behörde.

Atomkraft Foto: ddp
Krebserregend? Das Kernkraftwerk Emsland. -Foto: ddp

Salzgitter/BerlinDas Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat die Union zu einer sachlichen Debatte über die jüngste Studie zum erhöhten Krebsrisiko für Kleinkinder in der Nähe von Atomkraftwerken gemahnt. "Die Studie eignet sich nicht für ideologische Auseinandersetzungen", erklärte die Behörde. Die Ergebnisse und die Konsequenzen aus der Studie müssten "ideologiefrei und offen" diskutiert werden. Das Bundesamt wandte sich besonders gegen Vorwürfe von Unionsfraktionsvize Katherina Reiche (CDU). Diese hatte BfS-Präsident Wolfram König vorgeworfen, seine Behörde "missbraucht die Leukämiestudie zur Anti-Kernkraft-Propaganda". Die Studie werde vom BfS "tendenziös" interpretiert, erklärte Reiche in Berlin.

Das BfS betonte, es habe wiederholt darauf hingewiesen, dass die Studie keinen Beweis für einen Zusammenhang zwischen dem Betrieb einer kerntechnischen Anlage und den erhöhten Leukämiefällen darstelle.

Grüne: Reiche ist "Bundestags-Lobbyistin der Atomwirtschaft"

Der Studie zufolge nimmt die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit wachsender Nähe zum Reaktorstandort deutlich zu. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Krebserkrankungen beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten.

Die Grünen warfen Reiche ihrerseits vor, sie betätige sich "als Bundestags-Lobbyistin der Atomwirtschaft". "Die Studie sagt nicht, es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Nähe zu einem Akw und der Krebshäufigkeit bei Kindern, erklärte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer in Berlin. "Sie sagt stattdessen, dieser sei nicht nachgewiesen."

Der Bundestag debattierte auf Antrag der Grünen-Fraktion über das Thema. Der Grünen-Atomexperte Hans-Josef Fell forderte weitere Untersuchungen. Es sei bekannt, dass die radioaktive Belastung in der Umgebung von Kernreaktoren geringfügig höher sei als die natürliche radioaktive Strahlung, sagte Fell. (jvo/AFP)

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