Politik : AKW Temelin: Genehmigung zum Probebetrieb des tschechischen Reaktors

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Das umstrittene tschechische Atomkraftwerk Temelin darf den Probebetrieb aufnehmen. Die Atomsicherheitsbehörde in Prag erteilte am Montag dem Stromkonzern CEZ nach dreitägiger Prüfung der Unterlagen die nötige Erlaubnis. Innerhalb von 20 Stunden soll nun im ersten Reaktorblock die atomare Kettenreaktion ausgelöst werden.

Das Atomkraftwerk in Temelin war 1983 vom damaligen kommunistischen Regime in der Tschechoslowakei begonnen worden. Nach der politischen Wende 1989 sprach sich die Regierung grundsätzlich für die Fertigstellung aus. Dagegen forderten Kritiker im In- und Ausland einen Baustopp, da die Nachrüstung des sowjetischen Atomkraftwerks mit US-Technik keine Sicherheit garantiere. Nachdem die Atomsicherheitsbehörde in Prag am Montag einen Probebetrieb erlaubt hat, soll der Reaktor spätestens im Mai 2001 ans Netz gehen. Temelin steht etwa 230 Kilometer nordöstlich von München und rund 100 Kilometer nördlich von Linz (Oberösterreich). Der österreichische Kanzler Wolfgang Schüssel rief seinen tschechischen Amtskollegen Milos Zeman auf, keine unwiderruflichen Tatsachen zu schaffen: "Das Abschließen des Energiekapitels in EU-Beitrittsgespräche mit Tschechien ist ohne vorherige Klärung aller Sicherheitsfragen nicht möglich", gab Schüssel erneut zu bedenken. Die Drohung Wiens, wegen Temelin womöglich den EU-Beitritt Tschechiens zu blockieren, ist nicht neu. Allerdings wurden solche Töne von der österreichischen Diplomatie immer wieder abgemildert. Der tschechische Regierungssprecher Libor Roucek reagierte gelassen: "Österreich wird kein Junktim zwischen dem EU-Beitritt Tschechiens und Temelin herstellen wollen".

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