Politik : Akzeptiert!

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Frage: Muss man komplizierte Zusammenhänge unbedingt in höchst komplizierten Wörtern und möglichst umständlichen Wendungen darstellen? Antwort: unbedingt, vor allem, wenn man als Politiker dafür sorgen will, dass sich die Menschen kopfschüttelnd abwenden und sich lieber um andere Dinge als um Kabinett oder Bundestag kümmern. Selbst bei so wichtigen Regierungsvorhaben wie der „Agenda 2010“ geht es um „Umsetzungspakete“ (wer transportiert die wohl?) oder um das Versprechen, Superminister Clement wolle „Fehlanreize beseitigen“. Im Parlament wurde die Regierung am Mittwoch zu einem Thema befragt, das zuvor im Kabinett behandelt wurde und angekündigt war als „Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung des Missbrauchs von 0190er/0900er-Mehrwertdiensterufnummern“. Dass es gebührenpflichtige Telefonnummern gibt, die vor allem zum Ausplündern ahnungsloser Konsumenten eingerichtet werden, ist bekannt. Aber warum heißen die ausgerechnet „Mehrdiensterufnummern“?

Da wundert sich auch ein erfahrener Manager von Bundestagsabläufen wie Volker Beck, der „Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen“ (so der korrekte Titel). Der „PGF“ (so die Abkürzung seines langen Titels) regte am Mittwoch bei einem Gespräch mit Journalisten an, die Presse solle doch am Beispiel der „Mehrwertdiensterufnummern“ einmal über Sprachungetüme im parlamentarischen Raum schreiben. Lieber Volker Beck, wir haben verstanden. Oder sollten wir nicht doch, ganz polit-sprech-mäßig, antworten: Der Signalcharakter Ihrer politischen Botschaft ist bei den Rezipienten auf hohe Akzeptanz gestoßen?

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