Al Gores Nobelpreis : Deutsche Politik sieht Klimaschutz gestärkt

Nach der Auszeichnung des Umweltaktivisten und ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore mit dem Friedensnobelpreis rechnen deutsche Politiker mit einem positiven Effekt für kommende internationale Klimaverhandlungen.

BerlinDie Verleihung des Friedensnobelpreises an den ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore und den UN-Klimarat IPCC wird von deutschen Umweltschützern und Politikern einhellig als Signal für stärkere Klimaschutz-Anstrengungen gesehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte "von ganzem Herzen", wie das Bundespresseamt mitteilte. Bundespräsident Horst Köhler sieht in der Preisverleihung "ein Zeichen für die Zukunft".

Die profunde wissenschaftliche Analyse des Weltklimarates und das unermüdliche Engagement Gores hätten "maßgeblich dazu beigetragen, dass die Gefahren des Klimawandels nicht mehr allein in Expertenzirkeln diskutiert werden, sondern zum Gegenstand einer weltweiten öffentlichen Debatte geworden sind", lobte Köhler in Glückwunschtelegrammen an Gore und den IPCC-Vorsitzenden Rajendra Pachauri. Merkel erklärte: "Die Gefahren des Klimawandels gehören zu den größten Herausforderungen für die Menschheit im 21. Jahrhundert."

Steinmeier hofft auf "Schwung" für Klimaverhandlungen

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sieht in der Entscheidung des Nobel-Komitees eine Anerkennung des Klimawandels und seiner "sicherheitspolitischen Auswirkungen als eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts". Steinmeier erhofft sich von der Würdigung "weiteren Schwung" für die internationalen Klimaverhandlungen. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) erläuterte, der Klimawandel treffe die Entwicklungsländer besonders hart. Dort gefährdeten Dürren und Überschwemmungen die Lebensgrundlagen gerade der ärmsten Bevölkerungsteile.

Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) erklärte: "Die Auszeichnung beflügelt die Anstrengungen, das Wissen um die Folgen des von Menschen verursachten Klimawandels zu mehren und aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse entschlossen zu handeln." Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck sieht in der Ehrung für Gore dessen "jahrelangen, beispielhaften Einsatz für den Klimaschutz" gewürdigt.

"Klimaschutz ist aktive Friedenspolitik"

FDP-Chef Guido Westerwelle dagegen zeigte sich von der Nobelpreis-Entscheidung "ziemlich überrascht". "Wir werden die Leistungen Al Gores in seiner Amtszeit noch mal nachlesen müssen", so Westerwelle. Für Linken-Fraktionschef Gregor Gysi ist die Botschaft der Osloer Entscheidung: "Klimaschutz ist aktive Friedenspolitik". Ungezügelter Klimawandel würde künftig zu weiteren Konflikten in der Welt führen. Die Grünen sehen den Nobelpreis als klare Aufforderung zum Kampf gegen weitere Erderwärmung. Die Vielfalt des Klimaproblems müsse in den Mittelpunkt des Handelns rücken, forderten die Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn.

Die Parteivorsitzenden Claudia Roth und Reinhard Bütikofer würdigten Gore als "Amerikas berühmtesten Grünen". Umweltorganisationen wie Bund und Germanwatch sehen in der Wahl des Nobelkomitees ein Signal für die Verhandlungen über das Kyoto-Nachfolgeabkommen im Dezember in Bali. Notwendig seien weltweite und verbindliche Maßnahmen, um die dramatischen Folgen des Klimawandels, insbesondere für arme Länder, zu begrenzen.

WWF: "Ein Riesensignal, das zur richtigen Zeit kommt"

Die Umweltstiftung WWF nannte den Preis "ein Riesensignal, das genau zur richtigen Zeit kommt". Al Gore wird am 23. Oktober in Berlin zu einem Klimakongress des Energieversorgers EnBW erwartet. Auf seiner Internetseite (www.enbw.com) sammelt das Unternehmen noch bis zum 20. Oktober Bürgerfragen an den Nobelpreisträger. (Internet: "Ihre Frage an Al Gore": http://www.enbw.com/content/de/impulse/gesellschaft/klimawandel- kongress-2007/fragen_algore/index.jsp) (mit dpa)

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