Politik : Al Masri in Psychatrie eingeliefert

Der Deutsch-Libanese soll Feuer gelegt haben/Anwalt kritisiert Politiker

Sarah Kramer

Neu-Ulm - Nach einem Feuer in einem Großhandelsmarkt ist der durch seine Entführung nach Afghanistan bekannt gewordene Deutsch-Libanese Khaled al Masri festgenommen worden. Der 43-Jährige gelte als dringend verdächtig, den Brand im schwäbischen Neu-Ulm gelegt zu haben, teilte die Polizei Krumbach mit. Der offenbar verwirrte al Masri wurde per richterlichem Unterbringungsbefehl in die psychiatrische Abteilung eines Bezirkskrankenhauses gebracht.

Zum Motiv habe al Masri bisher keine Angaben gemacht. Bei dem Brand war in der Nacht zum Donnerstag ein Schaden von rund 500 000 Euro entstanden. Der Täter hatte eine Glastür eingeschlagen und im Eingangsbereich Feuer gelegt, berichtete die Polizei. Noch in der Nacht war al Masri in der Nähe des Marktes festgenommen worden.

Al Masris Anwalt Manfred Gnjidic sprach von einer „Verzweiflungstat“. Seit langem sei bekannt, dass al Masri „ein furchtbares Folterschicksal“ erlitten habe. Dennoch habe die Politik nicht auf die Hilfeersuchen nach einer Psychotherapie reagiert. Als Grund für die Tat nannte Gnjidic eine Auseinandersetzung zwischen al Masri und dem Metro- Markt, die dann eskaliert sei. Schon bei Nichtigkeiten explodiere al Masri.

„Dieser Mann ist völlig am Ende“, sagte Gnjidic dem Tagesspiegel. „Was er getan hat, ist ein Hilfeschrei.“ Niemand habe seinem Mandaten nach den traumatischen Erlebnissen seiner Entführung durch den amerikanischen Geheimdienst CIA die Hand gereicht. Lediglich vom Behandlungszentrum für Folteropfer in Ulm habe Masri Hilfe erhalten. „Er sitzt im Zimmer und grübelt, hat Angst um seine Kinder“, berichtet der Ulmer Anwalt. Erst vor zwei Wochen habe er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Fall seines Mandaten in einem Fax um Hilfe gebeten, sagte Gnjidic. „Er entgleitet jetzt“, habe er dabei gewarnt. Das Kanzleramt habe das Therapie-Ersuchen an die Bayerische Staatskanzlei weitergeleitet, die noch nicht reagiert habe. Verständnis für die zögerliche Haltung der Politik hat Gnjidic nicht. „Bei der Tsunami-Katastrophe haben die Betroffenen sofort Hilfe bekommen“, sagt der Jurist. „Mein Mandant wartet darauf seit Jahren.“ (mit dpa)

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