Politik : Al Qaida bekennt: Wir waren es

Terrororganisation gibt Anschläge auf zwei Synagogen in Istanbul und auf italienische Soldaten im Irak zu

Susanne Güsten

Istanbul. Die Organisation Al Qaida des moslemischen Extremisten Osama bin Laden hat sich nach Angaben der in London erscheinenden Zeitung „el Kuds el Arabi“ zu den Anschlägen auf zwei Synagogen in Istanbul bekannt, bei denen am Samstag mindestens 23 Menschen getötet worden waren. Die Zeitung teilte am Sonntagabend mit, sie habe ein Bekennerschreiben erhalten. Kurz darauf meldete die arabische Wochenzeitung „El Madschallah“, Al Qaida habe sich auch zu dem Selbstmordanschlag auf einen italienischen Militärstützpunkt im irakischen Nassirijah bekannt.Dort waren 28 Menschen ums Leben gekommen.

Für eine arabische Identität der mutmaßlichen Attentäter in Istanbul sprächen die Haut-, Haar- und Knochenproben von zwei Männern, an denen auch Kabelteile gefunden wurden, sagte der Chef der Gerichtsmedizin, Keramettin Kurt. Polizei und Geheimdienst verhörten am Sonntag drei Männer und eine Frau, die in der Nacht festgenommen worden waren, ließen sie aber am Abend wieder frei.

Die beiden Lieferwagen, die am Samstagmorgen vor zwei Synagogen in den Istanbuler Stadtbezirken Beyoglu und Sisli explodierten, waren nach Erkenntnissen der Ermittler mit je 300 bis 400 Kilogramm Sprengmaterial von Expertenhand geladen. Es handelte sich um eine hochexplosive Mischung aus dem Düngemittel Ammoniumsulfat sowie Nitrat und anderen Beigaben. Der Stoff war in Kanister gefüllt und zur Tarnung in Waschmittelkartons verpackt worden.

Sicherheitsexperten erklärten es für sehr unwahrscheinlich, dass eine einheimische Terrorgruppe diesen Sprengstoff hätte herstellen können. Deshalb richtete sich der Verdacht schon vor dem Bekanntwerden des Bekennerschreibens auf Al Qaida. „Das war der internationale Terrorismus“, sagte der Ex-Geheimdienstchef Bülent Orakoglu. Die Grenzpolizei forstete ihre Einreiseregister nach Arabern durch, die in den letzten Tagen und Wochen in die Türkei gekommen waren.

Gleichzeitig begann im türkischen Osten und Südosten in der Nähe der Grenzen zu Iran und zum Irak eine breit angelegte Polizeiaktion zur Fahndung nach möglichen Unterstützern der Attentäter von Istanbul. Dabei ging es um zwei islamische Splittergruppen, die nach Geheimdienst-Erkenntnissen in der Türkei als Ableger von Al Qaida aufgebaut werden sollten. Der amerikanische Geheimdienst CIA soll die türkischen Behörden in den vergangenen Monaten auf die Möglichkeit hingewiesen haben, dass Al-Qaida-Mitglieder aus Iran in die Türkei gelangen könnten.

„Der Terror hat eine internationale Dimension erreicht“, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Er sprach von einem „Terrorakt gegen die Menschlichkeit“. Zusammen mit Außenminister Abdullah Gül besuchte der israelische Außenminister Silvan Schalom den Schauplatz der Explosionen und legte einen Kranz nieder. Der Anschlag habe sich gegen die gemeinsamen Werte der beiden Länder gerichtet, sagte Schalom. Erdogan besuchte Verletzte in mehreren Krankenhäusern, wo noch 70 Menschen behandelt wurden und vier Opfer in Lebensgefahr schwebten. Bis zum Sonntagnachmittag waren 23 Tote zu beklagen. Unter den Toten waren sechs Juden.

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