Politik : Al Qaida droht Briten und Amerikanern

Vizechef des Terrornetzes im Video: Nächste Attentate werden schlimmer als am 11. September 2001

Frank Jansen

Berlin - Der Vizechef des Terrornetzwerks Al Qaida, Aiman al Sawahiri, hat weitere schwere Attentate in London und den USA angedroht. Der arabische TV-Sender Al Dschasira strahlte am Donnerstag ein Video aus, in dem Sawahiri behauptet, es stünden härtere Anschläge bevor als die vom 11.September 2001.

„Was ihr in New York und Washington gesehen habt, was ihr jetzt in Irak und Afghanistan seht, all das ist nichts im Vergleich zu dem, was ihr als nächstes erleben werdet“, sagte der als Vize Osama bin Ladens geltende Ägypter. Das Video ist nach Ansicht deutscher Sicherheitskreise „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ authentisch.

In dem Video macht Sawahiri den britischen Premier Tony Blair für die Anschläge in London verantwortlich. Blairs Politik bedeute für London noch mehr Zerstörung als bisher, drohte der neben einer Kalaschnikow sitzende Terroristenführer. Der Film wurde vermutlich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufgenommen, wo sich Sawahiri und bin Laden seit der US-Invasion in Afghanistan Ende 2001 versteckt halten. Dass die Videobotschaft erst jetzt ausgestrahlt wurde, knapp einen Monat nach den Anschlägen in London, widerspricht nach Ansicht von Sicherheitsexperten nicht der Echtheit des Films. Der weltweit gesuchte Sawahiri könne ein Video nur umständlich über Kuriere weiterleiten. Die USA haben für die Ergreifung Sawahiris eine Belohnung in Höhe von 25 Millionen Dollar auslobt.

Das Video beweise nicht, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Al Qaida und den Anschlägen in London gibt, sagte ein Sicherheitsexperte. Al Qaidas Rolle sei noch unklar. Dennoch wird Sawahiris Botschaft ernst genommen. Es sei zu befürchten, dass die Nummer zwei Al Qaidas damit Zellen militanter Islamisten ermuntert habe, schwere Attentate vorzubereiten. Die Gefahr für Deutschland bezeichnen Sicherheitsexperten nach der Ausstrahlung des Videos als unverändert hoch.

Sawahiri hatte im Oktober 2002 auch Deutschland als potenzielles Anschlagsziel genannt. Sollte die „Dosis“ des Attentats von Djerba nicht ausreichend gewesen sein, seien „junge Gotteskrieger“ bereit, sie zu erhöhen, so der Ägypter damals. 2002 waren durch einen Selbstmordanschlag auf der tunesischen Ferieninsel 22 Menschen ums Leben gekommen, darunter 14 deutsche Touristen.

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