• Al-Qaida-Prozess: Angeklagter entlastet Islamist soll von Anschlagsplänen nichts gewusst haben

Politik : Al-Qaida-Prozess: Angeklagter entlastet Islamist soll von Anschlagsplänen nichts gewusst haben

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Frankfurt (Main). Beim Al-Qaida-Prozess in Frankfurt steht möglicherweise eine Wende bevor. Die Anwälte des Angeklagten Samir Karimou werden für ihren Mandanten Haftverschonung beantragen, wie am Dienstag am Rande des 13. Prozesstages aus den Reihen der Verteidigung zu erfahren war. Die Aussichten für Karimou, nach mehr als zwei Jahren Untersuchungshaft freizukommen, sind offenbar günstig. Der Mitangeklagte Salim Boukhari hatte vergangene Woche vor dem Oberlandesgericht ausgesagt, Karimou habe von Anschlagsplänen nichts gewusst. Die Bundesanwaltschaft wirft der fünfköpfigen Gruppe vor, sie habe im Dezember 2000 auf dem Weihnachtsmarkt in Straßburg eine Nagelbombe zünden wollen.

Vier Angeklagte waren Weihnachten 2000 in Frankfurt festgenommen worden. Samir Karimou kam erst im April 2001 in Haft. Die Anklage gegen den mutmaßlich aus Algerien stammenden Mann beschränkt sich im Wesentlichen auf den Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Karimou ist der Einzige aus der fünfköpfigen Islamistengruppe, dem bisher keine konkrete Beteiligung an der Planung eines Anschlags in Straßburg nachgewiesen werden konnte. In der Anklageschrift heißt es nur, Karimou habe durch „seine bewusste Einbindung in das Kommunikationsnetz aller Mitglieder“ die Terrorgruppe gestärkt.

Die Bundesanwaltschaft hält Karimou auch vor, er habe sich wie die vier Mitangeklagten in einem Al-Qaida-Lager in Afghanistan zum Terroristen ausbilden lassen. Karimou hatte dies in der letzten Woche vor dem Oberlandesgericht bestritten.

Ein algerischer Zeuge, der Karimou schon länger kennt und dessen Hintergrund erhellen könnte, wurde am Dienstag nur kurz gehört. Er gab an, Karimou sei nicht der richtige des Angeklagten. Der Fünfte Strafsenat unter dem Vorsitz von Richter Karlheinz Zeiher brach jedoch den Verhandlungstag wegen des Fußballspiels Deutschland-Südkorea ab – obwohl Oberstaatsanwalt Volker Brinkmann warnte, möglicherweise komme der Zeuge nicht mehr wieder. Unbekannte hatten den Mann mit dem Tode bedroht. Frank Jansen

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