Politik : Al-Qaida-Prozess in Hamburg verzögert sich

Anwälte fordern Vernehmung eines in Syrien inhaftierten Verdächtigen

Frank Jansen

Hamburg. Im Hamburger Al-Qaida-Prozess ist es den Verteidigern des Angeklagten Mounir al Motassadeq am Mittwoch mit mehreren Beweisanträgen gelungen, den Beginn der Plädoyers zu verzögern. Im Mittelpunkt der Anträge steht die Forderung, das hanseatische Oberlandesgericht solle den in Syrien festgehaltenen, mutmaßlichen Al-Qaida-Mann Mohammed Haydar Zammar als Zeugen laden. Der 1982 in der Bundesrepublik eingebürgerte Syrer hat nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden die Gruppe um den Selbstmordpiloten Mohammed Atta der Terrororganisation Al Qaida zugeführt.

Anderthalb Monate nach dem 11. September 2001 setzte sich Zammar aus Hamburg nach Marokko ab. Dort wurde er festgenommen, 15 Tage verhört und dann unter mysteriösen Umständen nach Syrien überstellt. Zammar könne bekunden, Motassadeq sei nicht für Al Qaida angeworben worden, sagte Verteidiger Hans Leistritz. Die Bundesanwaltschaft wirft Motassadeq vor, er habe von Hamburg aus mit finanziellen Transaktionen die Atta-Gruppe unterstützt und sich damit der Beihilfe zum Mord an 3045 Menschen bei den Attentaten von New York und Washington schuldig gemacht.

Leistritz verwies in dem Antrag auf einen am Mittwoch erschienenen Bericht der „Washington Post“. Die Zeitung zitiert einen namentlich nicht genannten marokkanischen Sicherheitsexperten mit den Worten, Motassadeq habe vermutlich nicht zum engeren Kreis der Selbstmordattentäter gehört. In dem Artikel bleibt jedoch unklar, ob diese Äußerung auf die Verhöre Zammars in Marokko zurückzuführen ist. Dass Zammar jemals als Zeuge in Hamburg erscheinen wird, ist unwahrscheinlich. Die syrischen Behörden haben lange so getan, als wüssten sie nichts über Zammars Aufenthalt. Außerdem vermuten deutsche Sicherheitsexperten, Zammar werde gefoltert – und Syrien habe wenig Interesse daran, dass er sich vor einem deutschen Gericht darüber beklagen kann.

Motassadeqs Anwälte sind zuvor mit Anträgen auf Vernehmung eines weiteren Al-Qaida-Mannes gescheitert. Die Amerikaner weigern sich, den im vergangenen Jahr in Pakistan festgenommenen Ramzi Binalshibh in Deutschland als Zeugen aussagen zu lassen. Binalshibh soll von Hamburg aus den Terrorangriff auf die USA mitgeplant haben.

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