Politik : Al Qaida spaltet sich im Irak

Frank Jansen

Berlin - Die Terrororganisation Al Qaida hat möglicherweise ihren Ableger im Irak verloren. Dessen Anführer Abu Mussab al Sarkawi, der seine Gruppe im Oktober 2004 in „Al Qaida des heiligen Krieges im Zweistromland“ umbenannte, nutzt seit Ende 2005 diesen Namen nicht mehr. Sicherheitskreise sagten dem Tagesspiegel, es sei ein Zerwürfnis zwischen Sarkawi und der im afghanisch- pakistanischen Grenzgebiet untergetauchten Al-Qaida-Führung um Osama bin Laden zu vermuten. Anlass könnte ein Schreiben des Stellvertreters bin Ladens, Aiman al Sawahiri, sein. Der Ägypter hatte im Juli 2005 in einem Brief an Sarkawi dessen brutalen Feldzug gegen die Schiiten im Irak und die Enthauptung von Geiseln kritisiert.

Sarkawis Truppe, die für viele Anschläge verantwortlich ist, nennt sich jetzt „Schura-Rat“. Dass der Name „Al Qaida des heiligen Krieges im Zweistromland“ abgelegt wurde, sei ein schwerer Rückschlag für Al Qaida, heißt es in Sicherheitskreisen. Osama bin Laden und Aiman al Sawahiri hatten in ihren Botschaften an die Weltöffentlichkeit immer wieder den Irak als eines der zentralen Schlachtfelder des heiligen Krieges gegen die USA und deren Verbündete bezeichnet. Die Schwächung Al Qaidas sei umso gravierender, da die in ihren Verstecken eingeschnürten Osama bin Laden und Aiman al Sawahiri außer Propaganda kaum noch Aktivitäten entfalten könnten. Bin Laden hatte Ende 2004 in einer Tonbandbotschaft die Verbindung mit Sarkawi abgesegnet und ihn den „Emir“, sprich Statthalter, Al Qaidas im Irak genannt.

Wie sich die mögliche Trennung Sarkawis von Al Qaida auf die irakische Terrorszene auswirkt, ist noch nicht abzusehen. Sarkawi steht unter starkem Druck, da militante sunnitische Gruppen gegen ihn Front machen. Unklar bleibt, ob Sarkawi in die Entführung der beiden deutschen Techniker verwickelt ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben