Politik : Al Qaida und Taliban profitieren von Armut

Frank Jansen

Berlin - Die desaströse Lage der Wirtschaft in Afghanistan zählt nach Ansicht des US-Außenministeriums zu den zentralen Gründen für den andauernden Terrorismus im Land am Hindukusch. „Al Qaida und die Taliban profitieren von der Armut“, sagte der Antiterror-Koordinator im State Department, Henry A. Crumpton, am Mittwoch bei einem Pressegespräch in der amerikanischen Botschaft in Berlin. Der Aufbau der Wirtschaft funktioniere „nicht so schnell, wie wir sein müssten“, klagte Crumpton, der 2001 und 2002 die Aktionen der CIA in Afghanistan geleitet hatte. Die Militäreinsätze gegen Al Qaida, die Taliban und andere Terroristen müssten stärker durch „dauerhafte Lösungen“ ergänzt werden.

1947 habe der damalige US-Außenminister George C. Marshall betont, der Aufbau demokratischer Institutionen sei ohne eine Entwicklung der Wirtschaft nicht vorstellbar, sagte Crumpton. Der Minister hatte den nach ihm benannten Marshallplan initiiert, der das Wirtschaftswunder in Westdeutschland ermöglichte. Ob die USA nach diesem Vorbild die Hilfe für Afghanistan aufstocken wollen, blieb jedoch bei Crumpton offen.

Truppen der Nato versuchen derzeit mit ihrer Offensive „Medusa“ im Süden Afghanistans, die Taliban zurückzudrängen. Die Sicherheitslage in der Region ist so prekär wie noch nie seit dem Einmarsch der Amerikaner in Afghanistan im Herbst 2001. Crumpton verwies auch auf die schwierige Situation in der unterentwickelten afghanisch-pakistanischen Grenzregion, in der sich Al-Qaida-Chef Osama bin Laden und sein Stellvertreter Aiman al Sawahiri versteckt halten. Der Antiterror-Koordinator betonte, bin Laden werde vor ein Gericht gestellt, sollte er gefasst werden. Das gelte auch für bereits inhaftierte Anführer Al Qaidas und die Gefangenen in Guantanamo.

Laut Crumpton hat die US-Regierung einen Zeitplan entworfen, wann die Verfahren gegen die zwei Chefplaner der Anschläge vom 11. September 2001, Khaled Scheich Mohammed und Ramsi Binalshibh, beginnen sollen. Einen Termin wollte Crumpton nicht nennen. Mohammed wurde Anfang März 2003 in Pakistan verhaftet, Binalshibh bereits im September 2002. Die US-Behörden halten beide an geheimen Orten fest, Prozesse waren bislang nicht in Sicht. Der deutschen Justiz gelang es auch nicht, Mohammed und Binalshibh als Zeugen für Terrorverfahren in Hamburg zu laden.

Skeptisch äußerte sich Crumpton zur Situation im Irak. Mit Blick auf Terrorismus, ordinäre kriminelle Gewalt und Wirtschaftskrise verglich Crumpton die Aussichten mit einer „long, hard road“.

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