Al-Qaida-Video : Wie Bin Laden den Irak-Krieg beenden will

Eine dem Al-Qaida-Führer Osama bin Laden zugeschriebene Videobotschaft zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 enthält keine offenen Drohungen mit neuen Attacken. Bin Laden kritisiert vielmehr den Irak-Krieg - auf seine Weise.

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Osama bin Laden in einem Video 2004 (l.) und in der neuen Botschaft (r.) -Foto: AFP

Washington/DohaWie US-Fernsehsender unter Berufung auf eine Abschrift der Aufzeichnung berichteten, prangert der Terroristenanführer insbesondere US-Präsident George W. Bush an, aber auch das Verhalten der Demokraten, die sich nach seinen Worten nicht genügend gegen den Irak-Kurs zur Wehr setzten.

In dem Video spricht Bin Laden von zwei Lösungen für eine Beendigung des Irak-Kriegs, hieß es in einer vom US-Institut Site veröffentlichten Mitschrift der Videobotschaft. Site ist auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisiert, und hatte die Veröffentlichung des Videos zuvor angekündigt.

Die erste Lösung sei nach den Worten des Al-Qaida-Chefs, damit "fortzufahren, das Töten und den Kampf gegen euch auszuweiten. Das ist unsere Pflicht, und unsere Brüder führen sie aus, und ich bitte Allah, ihnen die Entschlossenheit zu geben und den Sieg zu gewähren". Die zweite Lösung sei, dass die USA ihr demokratisches Regierungssystem aufgeben: "Die Unfähigkeit des demokratischen Systems und die Art und Weise, wie es mit dem Blut der Menschen spielt, ist nunmehr der Welt und euch klargeworden." Er wirft der US-Bevölkerung vor, große Fehler begangen zu haben. Zu den größten gehöre es, "nicht jene bestraft zu haben, die diesen Krieg begonnen haben, auch nicht den gewalttätigsten der Mörder, (Ex-Verteidigungsminister) Donald Rumsfeld...". Zum Schluss der an das "amerikanische Volk" gerichteten Botschaft lädt Bin Laden zum Übertritt zum Islam ein.

Video wird weiter ausgewertet

In US-Regierungskreisen hieß es, die Prüfung der vom arabischen Sender Al-Dschasira ausgestrahlten Videobotschaft dauere an. Experten erklärten unterdessen, es gebe praktisch keinen Zweifel an der Echtheit. Die Aufzeichnung enthält zahlreiche Bezüge zu politischen Entwicklungen in diesem Sommer wie etwa die Führungswechsel in Großbritannien und Frankreich. Das deutet darauf hin, dass die Botschaft erst vor kurzem entstanden ist.

Es ist das erste Video seit drei Jahren, in dem Bin Laden zu sehen ist. Der Terroranführer wirkt in der Aufnahme gesundheitlich etwas angeschlagen. Sein vormals grau melierter Bart ist schwarz gefärbt. Das Video wurde in einem geschlossenen Raum aufgenommen, und nicht in einer Berglandschaft wie frühere Videos, in denen der Al-Qaida-Führer stets mit einer Waffe zu sehen war. (mit AFP/dpa)

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