Politik : Al Qaida wächst weltweit

Algerische Terrorgruppe erklärt ihren Anschluss

Frank Jansen

Berlin – Es schien eine der üblichen Drohgebärden von Aiman al Sawahiri zu sein, dem Vizechef der Al Qaida: In einem Video zum fünften Jahrestag der Anschläge des 11. September 2001 verkündete der Ägypter, die algerische Terrorbewegung GSPC (Salafistengruppe für Predigt und Kampf) habe sich Al Qaida angeschlossen. Die neue Filiale solle gegen das algerische Regime sowie „die wichtigsten Mitglieder der Kreuzfahrer-Koalition und vor allem ihren alten Anführer, das lasterhafte Amerika“, kämpfen. Doch die deutschen Sicherheitsbehörden sahen zunächst keinen gravierenden Anstieg der Terrorgefahr. Die GSPC, die 2003 in der Sahara 32 Touristen entführt hatte, darunter 16 deutsche, schien angesichts der harten Verfolgung durch das algerische Militär und US-Spezialeinheiten stark geschwächt. Das hat sich nach Einschätzung deutscher Sicherheitsexperten inzwischen geändert.

„Mir macht die GSPC heute große Sorgen“, sagt Guido Steinberg, Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin und ehemals Referent im Bundeskanzleramt. Zwar habe sich die Terrorgruppe bereits 2003 Al Qaida angeschlossen, doch erst seit der Bestätigung durch Sawahiri im September könne die GSPC „das Al-Qaida-Logo nutzen“. Die Folge: „Es fällt der GSPC leichter, Rekruten zu werben – vor allem unter Nordafrikanern außerhalb Algeriens, womöglich auch in Europa und damit auch in Deutschland“, warnt Steinberg.

Junge, kampfbereite Islamisten, die zu Al Qaida wollen, „können jetzt nicht nur in den Irak gehen, nach Pakistan und Afghanistan, sondern auch nach Algerien“. Und offenbar in andere nordafrikanische Länder. Denn die GSPC verstärkt ihre Kontakte zu militanten Gruppen in Marokko, Tunesien, Libyen, Mauretanien, Mali und Niger.

Das Problem könnte Deutschland schon erreicht haben. Im Juli nahmen Beamte des Bundeskriminalamts in Hamburg den Deutschmarokkaner Redouane E. fest. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, er habe für Al Qaida potenzielle Selbstmordattentäter rekrutiert – und im November 2005 selbst bei der GSPC in Algerien ein Training im Umgang mit Sprengstoff absolviert.

Sicherheitskreise registrieren auch, dass die GSPC „wieder schlagkräftig ist“. Und Steinberg berichtet von einem Anstieg der Attacken. Kürzlich habe die GSPC in Nordalgerien zehn Militärs getötet. Aber auch Al Qaida, vor allem der Ableger im Irak, profitiere von der Liaison mit den algerischen Islamisten, sagen Sicherheitsexperten. Der Beitritt der GSPC diene als Bestätigung für die Propagandabotschaft: Al Qaida wächst weltweit.

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