Politik : Al-Qaida-Zelle in Saudi-Arabien ausgehoben

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Die Polizei in Saudi-Arabien hat 113 mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen festgenommen. Wie der Sprecher des Innenministeriums, General Mansur al Turki, am Mittwoch dem Tagesspiegel erklärte, sollen sie Selbstmordanschläge auf Anlagen der Ölindustrie und Angriffe auf Polizisten vorbereitet haben. Die Verhafteten seien „ein Netzwerk“ von 47 Saudis und 51 Jemeniten sowie drei Personen aus Somalia, Eritrea und Bangladesch. Über Ort und Zeitpunkt der Festnahmen machte das Innenministerium keine Angaben.

Wie Turki weiter mitteilte, wurden zudem zwei Terrorzellen mit jeweils sechs Mitgliedern ausgehoben, die von der Al-Qaida-Führung im Jemen gelenkt worden seien. Deren Anschläge auf die Ölanlagen im Osten des Königreiches hätten „unmittelbar bevorgestanden“. Man sei den Terrorzellen und ihren Hintermännern nach einer Schießerei an einer Straßensperre nahe der Grenze zum Jemen im Oktober 2009 auf die Spur gekommen. Damals kamen zwei mit Sprengstoffgürteln präparierte, als Frauen verkleidete Al-Qaida-Kämpfer sowie ein Polizist ums Leben. Einen dritten Terroristen im dem Geländefahrzeug konnten die Beamten festnehmen. Von ihm stammen offenbar die Hinweise.

Die spektakuläre Verhaftungswelle zeigt, dass der Aktionsradius von Al Qaida in Saudi-Arabien in jüngster Zeit wieder gewachsen ist, weil die Führung relativ unbehelligt vom Jemen aus operieren kann. Auf dem Territorium des Königreiches war der Terrororganisation in den vergangenen vier Jahren kein größerer Anschlag mehr gelungen. In den Jahren 2003 bis 2006 dagegen waren bei Attentaten mehr als hundert westliche Bürger, saudische Passanten und Polizisten ums Leben gekommen.

So starben im Mai 2003 durch drei von Selbstmordattentätern gezündete Autobomben 35 Ausländer, hunderte wurden verletzt. Das Königreich reagierte mit intensiver Fahndung, erste Mitglieder aus der Führungsriege von Al Qaida wurden getötet oder verhaftet, zahlreiche geheime Unterkünfte ausgehoben. Trotzdem verübte „Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel“ im November 2003 einen weiteren verheerenden Anschlag mit 17 Toten. Weil diesmal alle Opfer Araber und Muslime waren, kühlte die anfänglich noch vorhandene – teils offene - Sympathie der Bevölkerung für die Gotteskrieger merklich ab.

Ein Jahr später folgte eine zweite Welle von Attentaten auf westliche Ausländer, die normalerweise in gut gesicherten Wohnvierteln leben. 2005 gelang es dann den saudischen Fahndern erstmals, die Oberhand zu gewinnen. Nahe der Stadt al Rass konnten sie ein Bauernhaus ausfindig machen, wo sich die gesamte noch verbliebene Al-Qaida-Führung aufhielt. Drei Tage dauerten die Feuergefechte, am Ende waren 14 Terrorkommandeure tot. Trotzdem kam es im Februar 2006 zu einem weiteren Attentatsversuch auf die Ölraffinerie in Abqaiq, den Sicherheitskräfte vereiteln konnten.

Unter dem starken Fahndungsdruck verlagerte Al Qaida danach seinen Schwerpunkt ins benachbarte Jemen, wo sie sich seit Anfang 2009 erneut unter dem alten Namen „Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel“ formierte. Dorthin abgesetzt haben sich offenbar auch rund ein Dutzend ehemalige saudische Häftlinge aus Guantanamo.

Weihnachten 2009 versuchte ein im Jemen angeworbener und trainierter junger Nigerianer, einen vollbesetzten Airbus beim Landeanflug auf Detroit mit Sprengstoff, der in seiner Unterwäsche eingenäht war, zum Absturz zu bringen.

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