Politik : „Al-Qaida-Zellen in Köln und Duisburg“

Angeklagter in Terrorprozess nennt jüdisches Zentrum als Ziel

Jürgen Zurheide

Düsseldorf . Im Düsseldorfer Islamisten-Prozess hat der Angeklagte am Dienstag erstmals über angeblich aktive Terrorzellen in Nordrhein-Westfalen berichtet. Es gebe Zellen in Köln, Duisburg und in der Nähe von Düsseldorf, sagte Shadi Mustafa Abdallah. Der 26 Jahre alte frühere Leibwächter des mutmaßlichen Topterroristen Osama bin Laden, bekräftigte zudem frühere Angaben, dass er selbst seinen Hintermännern im Nahen Osten das Gebäude der Jüdischen Gemeinde in der Berliner Fasanenstraße als Anschlagsziel genannt habe. Unklar blieb, welche Objekte in Düsseldorf ausgesucht wurden. Von der Existenz der dortigen Zellen will Abdallah erst bei einer Reise nach Afghanistan im Sommer 2001 erfahren haben. „Ich weiß nichts über deren Pläne“, sagte er, sie seien geheim.

Für die Bundesanwälte im Gericht kamen die Aussagen unverhofft, sie werden aber sehr ernst genommen. „Die meisten objektiv überprüfbaren Daten waren bisher richtig“, sagte Ankläger Christian Monka. Bereits in der vergangenen Woche hatte der aus Jordanien stammende Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt und zugegeben, gemeinsam mit anderen Mitgliedern einer deutschen Gruppe der islamistischen Al-Tawhid-Bewegung Anschläge in Berlin und Düsseldorf geplant zu haben. Nun nannte der 26-Jährige erstmals Details über all jene, die von Al Qaida nach Deutschland geschickt wurden. Mit „schwarzen Pillen“, selbst gefertigten Bomben also, sollten die Zellen ausgespähte Ziele attackieren, bevor die Fahnder das Treiben der Gruppe um Shadi Mustafa durch seine Festnahme am 23. April vorigen Jahres beendeten.

Zumindest als Indiz für seine Glaubwürdigkeit kann auch die Furcht des 26-Jährigen gelten, entgegen den Zusicherungen der Strafverfolger, Zeugenschutz zu gewähren, doch abgeschoben zu werden. Genau dies schien den Angeklagten erneut zu sorgen. „Werden die mich nach Jordanien abschieben, wo mir die Todesstrafe droht", fragte er den Vorsitzenden Richter. Der nutzte die Schwäche des Angeklagten und ermahnte ihn: „Wenn ich ihnen einen Rat geben kann, dann diesen: Bleiben sie hier bei der Wahrheit." Nach Rücksprache mit seinem Anwalt Rüdiger Decker erklärte Abdallah: Die Geständnisse, die ich hier abgelegt habe, sind alle richtig.“

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