Politik : Al Qaidas Afghanistanchef getötet

Nach US-Drohnenangriff in Pakistan / Abu al Jasid kontrollierte Finanzströme des Terrornetzwerks

Kabul - Das Terrornetzwerk Al Qaida hat den Tod eines seiner obersten Anführer, Mustafa Abu al Jasid, verkündet. In der Internetbotschaft sei vom „Märtyrertum“ des 54-jährigen Ägypters die Rede, der mit mehreren Familienmitgliedern getötet worden sei, teilte das auf islamistische Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE am Montag (Ortszeit) mit. Ein US-Regierungsvertreter erklärte, der Tod al Jasids sei sehr wahrscheinlich.

Wann und wo der auch als Said al Masri bekannte al Jasid getötet wurde, teilte Al Qaida nicht mit. In der Botschaft hieß es aber laut SITE, zusammen mit ihm seien seine Frau, drei seiner Töchter, eine Enkelin sowie weitere Frauen, Männer und Kinder getötet worden. In der Erklärung hieß es weiter, al Jasid habe sich bereits vor mehr als 22 Jahren dem „Heiligen Krieg“ verschrieben. Die Erklärung war mit „Al-Qaida-Generalkommando“ unterzeichnet.

US-Medien berichteten, al Jasid sei bei einem US-Drohnenangriff in den Stammesgebieten Pakistans ums Leben gekommen. Die USA fliegen in der Region an der Grenze zu Afghanistan, in der sich zahlreiche Al-Qaida-Kämpfer und Talibananhänger verstecken, regelmäßig Angriffe.

Aus pakistanischen Sicherheitskreisen verlautete, al Jasid sei höchstwahrscheinlich bei einem Raketenangriff in Nordwasiristan in der Nacht auf den 21. Mai ums Leben gekommen. „Uns lag damals ein Bericht vor, dass ein Araber und einige seiner Familienmitglieder bei dem Luftschlag getötet wurden, und ich glaube, dass wahrscheinlich er es war“, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter. Ziel des Drohnenangriffs war damals das Haus eines Stammesangehörigen, rund 25 Kilometer westlich von Miranshah. Nach Geheimdienstangaben wurden damals sechs Menschen getötet, Ansässige sprachen von zwölf Toten.

Der US-Regierungsvertreter sagte, der Tod al Jasids wäre „im Sinne der Terrorismusbekämpfung ein großer Sieg“. Al Jasid habe bei Al Qaida „seine Hände überall dringehabt, von den Finanzen bis hin zur Einsatzplanung“. Er habe auch eine direkte Verbindung zu Al-Qaida-Chef Osama bin Laden und dessen Stellvertreter Aiman al Sawahiri gehabt. „Dies ist einer der schwersten Schläge gegen Al Qaida in den vergangenen Jahren“, sagt Ben Venzke von dem auf Cyber-Islamismus spezialisierten US-Unternehmen Intel Center.

Al Jasid war ein Gründungsmitglied von Al Qaida und lange Zeit für die Finanzströme innerhalb der Organisation zuständig. Er stand auf der Liste der Verdächtigen und Organisationen, deren Guthaben nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York vom US-Finanzministerium eingefroren wurden. Nach Angaben der US-Bundespolizei FBI finanzierte al Jasid drei der Attentäter vom 11. September durch Geldtransfers über Dubai. Allerdings soll er sich gegen die Ausführung der Terroranschläge ausgesprochen haben, weil er die Reaktion der USA fürchtete. Al Jasid sei bekannt gewesen für seine Fähigkeiten im Management, „aber er hat nie militärische Verantwortung im harten Kern von Al Qaida übernommen“, sagte Jasser al Sirri, Direktor der in London ansässigen Forschungseinrichtung Islamic Observatory, vor einiger Zeit der Nachrichtenagentur AFP. „Wenn man ihn traf, hätte man ihn nicht verdächtigt, ein Terrorist zu sein“, sagte Sirri. Er sei freundlich gewesen, fügte Sirri in einem Interview mit der „Washington Post“ vor einigen Jahren hinzu – und „sehr, sehr diskret“.

Seit der Übernahme der Al-Qaida-Führung in Afghanistan war al Jasid in mehreren Videos der Terrororganisation zu sehen. Seine letzte öffentliche Stellungnahme stammt laut SITE vom 4. Mai. Darin lobte al Jasid die im Irak getöteten Al-Qaida-Anführer Abu Omar al Bagdadi und Abu Ajjub al Masri.

Der Al-Qaida-Führer steht nicht auf der US-Liste der zehn meistgesuchten mutmaßlichen Terroristen der Welt. Auch hatte das US-Außenamt keine Belohnung auf seine Ergreifung ausgesetzt. Teilweise wurde der Ägypter mit Vollbart, dicken Brillengläsern und weißem Turban als Nummer drei von Al Qaida eingestuft. Es gibt jedoch Spezialisten, die eine solche Hierarchisierung problematisch finden. Seit Gründung der Terrororganisation wurde bereits acht Mal der Tod ihrer „Nummer drei“ verkündet. Jasid diesen Rang zu geben, verleihe ihm zudem eine zu große Bedeutung, sagte ein westlicher Geheimdienstagent der Nachrichtenagentur AFP. Symbolisch sei der Tod des Mannes allerdings ein „wichtiger Erfolg“. AFP/dpa/rtr

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