Politik : Algerien: 70 neue Opfer der Gewalt

Clemens Altmann

Die bewaffneten Auseinandersetzungen in Algerien zwischen der Staatsmacht und Gruppen islamistischer Extremisten haben in den vergangenen zehn Tagen wiederum etwa 70 Todesopfer gefordert. Doch erstmals seit Monaten war die Bilanz nach Angaben der Sicherheitskräfte positiv: In verschiedenen Landesteilen seien mindestens 50 Terroristen getötet worden. Unter den toten Islamisten war auch eine 13 Mann starke Gruppe, die Ende Januar 25 Menschen in einem Dorf nahe der Stadt Chlef auf bestialische Weise mit Hacken und Äxten massakriert hatte.

Die Offensive der Armee gegen die Terror-gruppen scheint im direkten Zusammenhang mit der kürzlich vor allem in Frankreich, der ehemaligen Kolonialmacht, wieder aufgeflammten Diskussion über die Rolle der Sicherheitskräfte bei den Massakern an der Zivilbevölkerung zu stehen. Auslöser der bis in die diplomatischen Beziehungen beider Länder hineinreichenden Kontroverse war das im Januar in Frankreich erschienene Buch "Der schmutzige Krieg" (La sale guerre) des ehemaligen algerischen Armee-Offiziers Habib Souaidia. Darin wird dem Militär vorgeworfen, an Übergriffen auf die Zivilbevölkerung beteiligt zu sein.

Für den Generalstabschef der Armee, General Mohamed Lamari, ist das Buch Teil "einer vom Ausland gesteuerten Kampagne", der "Versuch der Destabilisierung der Nationalen Volksarmee und der Sicherheitsdienste". Ganz offensichtlich überrascht von der Heftigkeit der Angriffe hatte Lamari am Sonntag in einem so genannten "Tagesbefehl" in der Armee-Zeitung "El Djeich" (Die Armee) das übliche Schweigen der Armee durchbrochen, die Vorwürfe dementiert und gleichzeitig die Person des Autors ins Zwielicht gerückt. Tags darauf kündigte Justizminister Ahmed Ouyahia die strafrechtliche Verfolgung Souaidias an.

Lamari zufolge ist der ehemalige Unterleutnant einer Anti-Terror-Einheit ein rechtmäßig verurteilter Dieb, der vier Jahre im Gefängnis gesessen habe, zum Soldaten degradiert und unehrenhaft aus der Armee entlassen worden sei. Dieser Fall war, so Lamari, schon vor drei Jahren einer UN-Delegation zur Kenntnis gebracht worden. Im Juli 1998 hatte eine internationale Kommission unter Leitung des ehemaligen portugiesischen Präsidenten Mario Soares die angebliche Beteiligung der Armee an den Massakern untersucht und nicht bestätigen können.

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