Politik : Algerien: Neue Gewaltwelle

Mit Entsetzen und Fassungslosigkeit hat Algeriens Öffentlichkeit auf die neuen Massaker islamistischer Extremisten reagiert, bei denen am vergangenen Wochenende innerhalb von nur 24 Stunden mindestens 38 Zivilisten ermordet wurden. Seit Beginn des diesjährigen Fastenmonats Ramadan vor drei Wochen sind damit mehr als 200 Menschen bei Überfällen bewaffneter Gruppen ums Leben gekommen.

Bislang hatten die islamistischen Extremisten vor allem Angehörige der Sicherheitskräfte und vom Staat gestützte ortsansässige Selbstverteidigungsgruppen im Visier gehabt. Doch mit den jüngsten Überfällen erreicht die Gewalt gegen wehrlose Bürger einen neuen Höhepunkt.

Nach Augenzeugen- und Medienberichten wurden allein am Sonntagabend mindestens 20 Menschen bei Überfällen von mutmaßlichen Moslemextremisten getötet. Am Sonntagabend stoppten militante Fundamentalisten in der 200 Kilometer westlich von Algier gelegenen Stadt Tenes vor einem Krankenhaus einen Kleinbus und eröffneten das Feuer. Minutenlang sei das Fahrzeug mit Maschinengewehren beschossen werden, dabei seien 15 Insassen getötet und sieben weitere verletzt worden. Eine Stunde später schossen bewaffnete Männer in der nahe gelegenen Stadt Khemis Miliana wahllos in eine Gruppe von Passanten. Das berichtete die Zeitung "Liberte". Dabei starben fünf Menschen, darunter auch drei Frauen. Über die genauen Umstände dieses Massakers wurde nichts bekannt.

Wenige Stunden zuvor erst waren die Morde an 19 Berufsschülern und zwei Wachmännern in der algerischen Stadt Medea, 90 Kilometer südlich von Algier, bekannt geworden. In der Nacht zum Sonntag hatten dort bewaffnete Moslemextremisten den Schlafsaal der Berufsschule gestürmt und dabei mindestens 19 Schüler und zwei Wachmänner erschossen. Für die jüngsten Überfälle werden Mitglieder der Bewaffneten Islamischen Gruppe (GIA) verantwortlich gemacht, die sich bislang der Politik der nationalen Versöhnung von Präsident Abdelaziz Bouteflika widersetzen. Seit Beginn des Aufstands der Fundamentalisten vor acht Jahren kamen mehr als 100 000 Menschen ums Leben.

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