Politik : Algerien wählt klare Verhältnisse

Präsident Bouteflika gewinnt bereits im ersten Wahlgang mit 83 Prozent

Clemens Altmann[Algier]

Es ist gut möglich, dass einige Anhänger von Abdelaziz Bouteflika die Verkündung der Wahlergebnisse am Freitagvormittag gar nicht mitbekommen haben. Sie waren dermaßen von seinem Sieg überzeugt, dass sie die ganze Nacht durchgefeiert hatten. Das ständige Gehupe der Autokorsos wird vor allem Bouteflikas Gegnern in den Ohren geklungen haben, denn gewonnen hat der Amtsinhaber – nicht die Opposition. Mehr als 83 Prozent bekam er und damit die absolute Mehrheit schon im ersten Wahlgang.

Zweiter, mit gerademal acht Prozent, wurde der vorher als ernsthafter Herausforderer gehandelte Ali Benflis. Das Ergebnis ist eine schallende Ohrfeige für den ehemals engsten Vertrauten Bouteflikas. Vor einem Jahr war er als Ministerpräsident entlassen worden, weil er Kritik am Landesvater gewagt hatte. Nun bekam er die Rechnung für seinen Ungehorsam präsentiert.

Wenn auch niemand ernsthaft am Wahlsieg Bouteflikas gezweifelt hatte, die Stimmverteilung nach tunesischem oder nordkoreanischem Modell trägt nicht zur Glaubwürdigkeit der Wahlen bei und birgt die Gefahr eines gewaltsamen Protests der Opposition in sich. Benflis sowie zwei seiner ebenfalls unterlegenen Konkurrenten hatten in einer gemeinsamen Erklärung angekündigt, Straßen und Plätze zu besetzen, wenn Bouteflika schon im ersten Wahlgang gewinnt. Das wäre in ihren Augen ein Zeichen für Wahlbetrug. Dafür gab es am Freitag keine Beweise, und auch die europäischen Beobachter hatten sich bis dahin nicht in dieser Richtung geäußert.

Schließlich ist ein solches Wahlergebnis auch nicht unmöglich. In einer Gesellschaft, in der die Hälfte der Bevölkerung nicht lesen kann, zählen vor allem Radio und Fernsehen. Und diese hatte Bouteflika fünf Jahre lang fast allein zur Verfügung. Zudem wünscht sich die Bevölkerung nichts sehnlicher als Stabilität und Arbeitsplätze. Wie die Reaktion der Polizei auf Proteste sein wird, dafür gab es noch am Wahlabend einen Vorgeschmack. Selbst die ausländische Presse war von der Prügelorgie am Versammlungsort der Opposition nicht ausgenommen worden. Deshalb wird es für die Opposition schwer werden, ihre Wut auf die Straße zu tragen.

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