Algerische Sahara : Paris schickte Soldaten in Atomtestgebiet

Frankreich hat bei einem seiner ersten Atomtests in der algerischen Sahara einem Pressebericht zufolge direkt nach der Zündung der Bombe Soldaten zu Manövern in das Explosionsgebiet geschickt.

ParisZiel sei es gewesen, „die körperliche und psychologische Wirkung (…) der Atomwaffe auf den Menschen zu untersuchen“, berichtete die Zeitung „Le Parisien“ am Dienstag unter Berufung auf einen Armeebericht. An dem Manöver „in atomarer Umgebung“ am 25. April 1961 hätten 300 Soldaten teilgenommen.

Zwanzig Minuten nach der oberirdischen Zündung der Bombe „Gerboise verte“ („Grüne Wüstenspringmaus“) seien die Soldaten aus ihren Unterständen gekommen und hätten sich den Atompilz angesehen, berichtete die Zeitung. Eine Viertelstunde später seien sie zu Fuß Richtung Explosionsort vorgerückt – bis auf 700 Meter an den Krater. Ein Trupp mit gepanzerten Fahrzeugen sei bis auf 275 Meter herangefahren. Laut dem Bericht schienen die Soldaten „in der Lage, den Kampf fortzusetzen“. Probleme habe aber das Tragen der Gasmasken bereitet, weil die Truppe nur halb so schnell wie normalerweise vorangekommen sei, berichtete die Zeitung aus dem Bericht weiter. Die Verantwortlichen hätten deshalb vorgeschlagen, die Gasmasken in einem echten Konflikt durch einfache Staubmasken zu ersetzen, die weniger hinderlich seien.

Durch das Manöver „in atomarer Umgebung“ sollten Erkenntnisse für die „Ausbildung des modernen Kämpfers“ gewonnen werden, berichtete „Le Parisien“ unter Berufung auf den Bericht. Dieser sei 1998 nach dem Ende der letzten französischen Tests erstellt worden. Laut der Zeitung trägt das Papier die Aufschrift „Band 1“ und beschäftigt sich ausschließlich mit den 17 französischen Tests in der Sahara von 1960 bis 1966. Alle weiteren fanden auf französischen Inseln im Pazifik statt. Insgesamt testete Frankreich bis 1996 210 Atombomben. AFP

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