Alkoholverkauf : Körting gegen jugendliche Testkäufer

Der Einsatz Minderjähriger zur Aufdeckung illegalen Alkoholverkaufs ist bei Innenministern umstritten. Berlin, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt lehnen jugendliche Testkäufer für Alkohol ab.

Sabine Beikler/Johannes SchneiderD

Berlin - Sollen jugendliche Testkäufer den illegalen Alkoholverkauf an Minderjährige aufdecken? Zu diesem umstrittenen Thema will die Innenministerkonferenz (IMK) an diesem Freitag eine Empfehlung für die Landesregierungen formulieren. Heinz Hilgers, der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, bezeichnet die Idee, Minderjährige für diese Aufgabe einzusetzen, als „Lumperei“. „Wir sollten den Jugendlichen Offenheit beibringen und nicht Hinterhältigkeit“, sagte er dem Tagesspiegel. Da die Länder unterschiedliche Positionen haben, wird es wohl eine Kompromissformel geben, wonach die Einsetzung von jungen Testkäufern zwar grundsätzlich möglich ist, die endgültige Entscheidung darüber aber jedem Bundesland obliegt.

Berlin, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt lehnen jugendliche Testkäufer für Alkohol ab. „Ich sehe das sehr skeptisch. In Berlin gibt es bisher keine Testkäufe. Und das wird auch so bleiben. Man würde Kinder zu Spitzeln machen. Und das ist meiner Auffassung nach mit der Menschenwürde nicht zu vereinbaren“, sagte Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) dem Tagesspiegel. Auch Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) sieht Testkäufe „sehr skeptisch“.

Der Bremer Innensenator und IMK-Vorsitzende Ulrich Mäurer (SPD) erwartet dennoch, dass die meisten Bundesländer jugendliche Testkäufer wollen. „Ich denke, dass eine große Mehrheit dem Plan zustimmt“, sagte Mäurer dem Tagesspiegel. Bei ersten Testkäufen hätten in Bremen 80 Prozent der Jugendlichen Alkohol erhalten. „Das ist ein Problem“, sagte Mäurer, „und darum müssen wir uns kümmern.“ Flächendeckend werden Testkäufe bisher nur in Niedersachsen durchgeführt. Der dortige Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte, durch die Testkäufe seien „herausragende Erfolge“ erzielt worden. So hätten im ersten Testlauf noch drei von vier Jugendlichen illegal Alkohol bekommen. Im zweiten Durchgang sei es nur noch jeder zweite gewesen.

Derweil bemängeln Kritiker nicht nur, dass die Jugendlichen durch die Testkäufe zu Spitzeln gemacht würden. Es sei außerdem auch nicht zulässig, eine Straftat oder eine Ordnungswidrigkeit zu provozieren und dann zu bestrafen. „Man kann bei Testkäufen höchstens einen Denkzettel verpassen“, sagt Hilgers. Überhaupt nutze es nichts, wenn der Staat ständig neue Regeln erlasse. „Letztlich liegt es doch an der Erziehung“, meint der Kinderschützer. „Und um diese pädagogische Frage drückt sich die Gesellschaft herum.“

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) war schon 2007 mit einem Gesetzentwurf zum Einsatz jugendlicher Testkäufer gescheitert. In Niedersachsen wendet sich die Polizei deswegen direkt an die Kommunen. „So können wir Testkäufe auch ohne eine entsprechende Gesetzesänderung durchführen“, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums. Jeder fünfte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren macht einmal im Monat beim „Komasaufen“ mit und trinkt fünf oder mehr Gläser Alkohol. Hochgerechnet nahm etwa eine Million Jugendliche in den vergangenen vier Wochen am sogenannten „Binge-Trinken“ teil.

Sabine Beikler/Johannes Schneider

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