Politik : Alle Attentäter von Istanbul sind identifiziert

Namen werden nicht genannt Gericht verhängt Nachrichtensperre

Thomas Seibert

Istanbul. Knapp zwei Wochen nach den Terroranschlägen in Istanbul hat die türkische Polizei alle vier Selbstmordattentäter identifiziert. Als letzter wurde der Fahrer des Wagens ermittelt, der am 20. November vor der britischen HSBC-Bank explodiert war. Zugleich überstellte die Polizei weitere neun mutmaßliche Komplizen der Attentäter an das Staatssicherheitsgericht in Istanbul. Gegen 18 Personen war bereits zuvor Haftbefehl wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ergangen. Bei den insgesamt vier Anschlägen auf zwei Synagogen und britische Einrichtungen waren außer den vier Attentätern 51 Menschen getötet und 712 weitere verletzt worden.

Wegen einer gerichtlich verhängten Nachrichtensperre nannte die Polizei die Namen der Attentäter nicht. Aufgrund früherer Auskünfte der Behörden und der Regierung ist die Identität der vier Männer aber bekannt. Gökhan Altuntas und Mesut Cabuk aus dem südostanatolischen Bingöl ließen am 15. November die Autobomben vor zwei Istanbuler Synagogen explodieren, der Istanbuler Feridun Ugurlu zündete am 20. November die Bombe am britischen Generalkonsulat. Der Name des vierten Täters wird noch geheim gehalten; nach Presseberichten handelte es sich bei ihm um Azad Ekinci, der ebenfalls aus Bingöl stammt und als Kopf der Terror-Zelle galt.

Ugurlu und Ekinci sollen auch bei den Synagogen-Anschlägen geholfen haben. Da Ekincis Leiche tagelang gesucht wurde, berichteten Zeitungen, der mutmaßliche Haupttäter habe den Anschlag auf die HSBC-Bank möglicherweise überlebt und plane neue Attentate. Nun wurde seine Leiche offenbar gefunden. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, waren bei Durchsuchungsaktionen nach den Anschlägen Waffen, Materialien zum Bombenbau und Dokumente in arabischer Sprache gefunden worden.

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