Politik : Alle Wege

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Mit der Erdkunde ist das so eine Sache. Eigentlich gilt als sicher, wie groß Polen ist, dass Iran an Irak grenzt und wo Stockholm liegt. Dass man das alles auch ganz anders sehen kann, wissen wir von der Peters-Projektion. Plötzlich schrumpft Europa, während Afrika lang gezogen im Atlas prangt – und das nur deshalb, weil die Peters-Projektion Flächen korrekt abbildet, statt auf gleiche Abstände zwischen den Breitengraden zu achten. Von Rom nahmen wir stets an, dass es in Italien liegt, diesem fragwürdig gewordenen Lieblingsziel der Deutschen. Von wegen! Mit der Peters-Projektion hat dies nun nichts zu tun, sondern eher mit Politik, aber es bleibt festzuhalten, dass Gerhard Schröders Parteifreund Kurt Beck, der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, den Kanzler in seine Heimat lud. Nach Rom! In der Eifel! „Ich habe mir sagen lassen, dass Rom in Rheinland-Pfalz ein idyllisches, beschauliches und garantiert fremdenfreundliches Fleckchen ist, wo man sich sehr gut erholen kann“, versichert Beck.

Auf einen Ansturm umgeleiteter Italien- Urlauber dürfte Rom indes nicht vorbereitet sein. Der kleine Ortsteil von Birresborn im Landkreis Daun hat lediglich vier Häuser und 19 Bewohner, wie nette dpa-Kollegen herausfanden. So bleibt Rom nur als Hinweis darauf, dass doch auch alles in heimischen Gefilden zu finden ist. Wobei man es mit der Germanozentrik nicht so doll treiben muss wie das Auswärtige Amt. Dessen neue, himmelblaue Stellwand im Briefing-Saal zeigt ein zerklüftetes Europa, mutmaßlich in Alt und Neu und Deutsch und Italienisch getrennt. Amerika ist ein winziger Streifen – am linken Rand. So sieht die Welt offenbar aus, von Berlin aus betrachtet. Und wohl auch von Rom aus.

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