Politik : Alles am Laufen halten

In Hamburg und London stehenam kommenden Wochenende Marathons an. Auch in Berlin werden im September zehntausende Menschen laufen. Was machen die Veranstalter jetzt?

Der Anschlag von Boston hat die Laufbewegung in ihrer ersten Hochphase des Jahres getroffen. Das Frühjahr ist wie der Herbst die Zeit der großen Marathons. Schon am Sonntag finden die nächsten City-Marathons statt, in London und Hamburg. Hamburg ist nach Berlin der zweitgrößte Marathon in Deutschland. 12 000 Läufer und 750 000 Zuschauer werden erwartet. Um die Sicherheit kümmern sich 400 Polizeibeamte, so viele wie sonst auch. „Wir haben keine Veränderung unserer Sicherheitslage. Unser Sicherheitskonzept hat sich bewährt, wir sehen keinen Änderungsbedarf“, sagt Hamburgs Polizeisprecher Mirko Streiber.

Der Marathon in London ist ohnehin seit langem auf Terrorgefahren eingestellt. An den Abläufen werde sich auch nichts ändern, teilten die Veranstalter mit. Prinz Harry wird als Schirmherr des größten Marathons der Welt am Ziel Medaillen verteilen. „Die beste Art, mit Boston Solidarität zu zeigen, ist, weiterzumachen und den Verantwortlichen für diesen Anschlag eine klare Botschaft zu schicken“, sagte Sportminister Hugh Robertson der BBC. Der Londoner Marathon, bei dem im vergangenen Jahr 37 000 Läufer ins Ziel kamen, gilt seit langem als Zielscheibe für Terroranschläge.

Durch die Olympischen Spiele stiegen 2012 die Festnahmen wegen Terrorverdachts um 60 Prozent. Erst am Dienstag wurden vier Männer aus Luton wegen Vorbereitung eines Anschlags auf einen Armeestützpunkt zu Haftstrafen verurteilt. Neben geheimdienstlichen Informationen sind die Sicherung der Strecke durch gründliches Absuchen sowie die intensive Beobachtung der Menge durch Kameras und Polizisten die wichtigsten Waffen der Polizei. Die Öffentlichkeit wurde aufgefordert, verdächtige Vorkommnisse umgehend zu melden.

„Wenn eine Stadt gut auf mögliche Gefahren beim Marathon vorbereitet ist, dann London“, sagt Mark Milde, der Renndirektor des Berlin-Marathons. Es könnte jedoch sein, dass einige Läufer oder Zuschauer die Rennen am Sonntag aus Angst vor Anschlägen meiden. „Es gab nach den Anschlägen vom 11. September beim New-York-Marathon 2001 einen kleinen Rückgang bei den Teilnehmerzahlen, das war aber nur kurzfristig.“

Für die nächsten Straßenläufe in Berlin und auch den Berlin-Marathon am 29. September werde das Thema Sicherheit nun noch einmal neu diskutiert werden, kündigte der Renndirektor an. Die sichtbarste Veränderung sei das nach den Anschlägen vom 11. September erlassene Parkverbot an der gesamten Strecke. Die 800 bis 900 Streckenordner, die vom Veranstalter eingesetzt werden, seien zwar in erster Linie dazu da, um die Läufer einzuweisen und Auskünfte zu erteilen, sie achteten aber auch auf verdächtige Ereignisse. Was die medizinische Versorgung betrifft, sagt Milde, „sind wir aufs Schlimmste vorbereitet“. Die Berliner Polizei, mit der die Veranstalter des Marathons im Austausch stehen, erklärte, die Sicherheitsmaßnahmen für sportliche Großveranstaltungen seien in Berlin auf einem „hohen Niveau“ und werden „neuen Situationen oder Erkenntnissen angepasst“. Auch die Informationen zu den Anschlägen in Boston würden über das Bundeskriminalamt nach Berlin weitergeleitet. Ob es in der Vergangenheit beim Berlin-Marathon schon Bombendrohungen gegeben habe, dazu machte die Polizei keine Angaben. „Es gibt immer auch Situationen, wo jemand droht, aber die Ernsthaftigkeit einer solchen Drohung von unseren Fachleuten überprüft und dann verneint wird“, sagte ein Sprecher.

Für Russland kommen die Bombenanschläge zur Unzeit. Russland richtet im Juli in Kasan die Universiade aus, die Weltsportspiele der Studenten, ist einen Monat später Gastgeber der Leichtathletik-Weltmeisterschaft im Moskauer Luschniki-Park und bekam außerdem den Zuschlag für die Fußball-WM 2018. Vor allem aber: Im kommenden Februar finden in Sotschi die Olympischen Winterspiele statt. Sotschi liegt im unruhigen Nordkaukasus, einer Region, die in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit Geiseldramen und anderen Terroranschlägen Aufmerksamkeit erregte.

Der Anschlag in Boston sei auch für Russland ein „ernstes Signal“, sagte Sportminister Witali Mutko, die Sicherheitsvorkehrungen würden weiter verschärft. Zuschauer müssen bei der Einlasskontrolle neben dem Ticket auch einen biometrischem Fan-Pass vorlegen, den die Ausländerbehörde vor Ort nach der Registrierung ausstellt. mth/tabu/teu/win

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