Politik : Alles hört auf Ankaras Kommando

USA machen der Türkei Zusagen in der Kurdenfrage

Susanne Güsten[Istanbul]

Im Tauziehen zwischen Washington und Ankara um eine US-Truppenstationierung in der Türkei beweist die türkische Regierung starke Nerven. Mehrere Ultimaten der USA haben die Türken in dieser Woche schon verstreichen lassen, weil sie alle Bedingungen der Stationierung unmissverständlich und schriftlich geklärt sehen wollen, bevor das Parlament grünes Licht gibt. Die harte Verhandlungsstrategie scheint sich für Ankara auszuzahlen. In militärischer und politischer Hinsicht haben die Türken ihre Forderungen durchsetzen können; nur einige wirtschaftliche Fragen sind noch umstritten. Die Verhandlungen dauerten am Freitagnachmittag an.

In langwierigen Verhandlungen über die militärische Zusammenarbeit gaben die USA bereits ihren Anspruch auf, den Oberbefehl auch über die türkischen Truppen im Nordirak zu führen. Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, sieht ein unterschriftsreifes Abkommen vor, dass die türkischen Truppen unter eigenem Befehl in den Nordirak einmarschieren. Damit erhalten sie freie Hand, alle Versuche zur Gründung eines Kurdenstaates im Keim zu ersticken. Die US-Truppen dürfen die Türkei nur unter türkischem Geleitschutz durchqueren, müssen ihre Waffen dabei verdecken und unterliegen den Landesgesetzen.

Auch den politischen Forderungen der Türkei zur Neuordnung des Irak nach dem Krieg kommen die USA entgegen. Weil Ankara eine föderale Lösung ablehnt, nach der die Kurden ein eigenes Bundesland bekämen, legte Washington einen neuen Plan vor, wonach die Grenzen der künftigen Bundesländer kreuz und quer durch die ethnischen Gebiete gezogen würden. Nur in der Frage der finanziellen Entschädigungen für die Türkei konnten sich die Verhandlungsparteien bis zum Nachmittag nicht einigen. Ankara fordert US-Hilfen in Höhe von 30 Milliarden Dollar, Washington will nur 26 Milliarden zahlen. Außerdem will die Türkei eine Garantie für diese Entschädigungen, wozu die Zustimmung des US-Kongresses notwendig wäre. „Das Wort des US-Präsidenten muss genügen“, erklärte Washington; dieses Wort genüge nicht, entgegnete Ankara.

Wiederholt drohten die USA damit, auf die türkische Unterstützung zu verzichten und Luftlandetruppen in den Nordirak zu schicken. Das wollen die Türken allerdings auch nicht, weil sie dann die Kontrolle über die Ereignisse verlören. Erpressen lasse sie sich aber nicht, erklärte die türkische Regierung.

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