Politik : Alles, was links ist

Der frühere PDS-Geschäftsführer Hiksch hilft einer neuen Partei

Matthias Meisner

So hat sich Lothar Bisky das nicht vorgestellt. Immer wieder hatte der PDS-Vorsitzende den Initiatoren einer neuen Linkspartei seine Zusammenarbeit angeboten – und jedes Mal einen Korb bekommen. Doch nun erreichte ihn unmittelbar vor Ostern die Botschaft, dass der ehemalige Bundesgeschäftsführer seiner Partei, der PDS, Uwe Hiksch, sich für die „Initiative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ engagiert – und sogar beim Aufbau einer Regionalgruppe für Berlin und Brandenburg helfen will.

Doch der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Hiksch ist kein Mann Biskys, im Gegenteil. Ein knappes Jahr lang arbeitete er als Bundesgeschäftsführer der PDS, als die Reformerriege nach der Niederlage bei der Bundestagswahl 2002 abgelöst wurde. Auf dem Sonderparteitag im Juni vergangenen Jahres, als Bisky als Chef einer neuen Führung gewählt wurde, kandidierte Hiksch nicht mehr. Dass er nun den Linkspartei-Initiatioren aus Bayern hilft, ist nicht im Sinne der PDS.

Bisky sieht das, was sich im linken Spektrum gerade tut, mit mehr und mehr Zurückhaltung. „Ich habe eine Partei, die gibt es in Ost und West“, sagt er. „Bei der PDS sind alle eingeladen, die unsere Ziele teilen.“ Neue Parteigründungen aber nennt Bisky kontraproduktiv – selbst wenn er bei eigenen Mitgliedern nicht gleich mit Parteiausschlussverfahren drohen will. „Die Linke differenziert sich weiter aus, ohne dabei stärker zu werden.“ Ganz ähnlich wurde der sächsische DGB-Vorsitzende Hanjo Lucassen, ein SPD-Landtagsabgeordneter, von der PDS zurechtgewiesen. Er denkt über die Gründung einer Sächsischen Arbeiterpartei nach. Sachsens PDS- Fraktionschef Peter Porsch dazu: „Eine übers Knie gebrochene Parteigründung wäre nur Ausdruck von Hilflosigkeit und würde in bewährter deutscher Weise die Linke zerstreuen und Wähler verschrecken.“

Hiksch, seit fast einem Jahr ohne Parteiamt, lässt sich von Mahnungen nicht mehr beeindrucken. „Klar bekenne ich da Farbe“, sagt er dem Tagesspiegel. „Es wird der PDS in Westdeutschland nicht gelingen, ehemalige sozialdemokratische Wähler zu erreichen.“ Und auch mit Blick nach Osten zweifelt er an der PDS: „Heillos überaltert“ sei die Partei, ihre „Restrukturierung fraglich“. Deshalb sei es nun richtig, die „realen Möglichkeiten“ für eine neue Linkspartei „abzuchecken“.

Die Linkspartei-„Initiative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ sieht das Engagement Hikschs keinesfalls als „Signal“ für eine Kooperation mit der PDS. Ihr Mitgründer Thomas Händel, IG-Metall-Chef in Fürth und SPD-Mitglied, sagte der Nachrichtenagentur ddp, Hiksch sei von der PDS „mehr oder weniger abserviert“ worden und „herzlich willkommen“. Biskys Angebot wies Händel zurück: „Wir wollen uns von keiner Partei umarmen lassen, das kommt nicht in die Tüte.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben