Politik : Allianz: NATO-Jets haben Bus nicht angegriffen

BRÜSSEL/BELGRAD (AP).Die NATO hat nach eigenen Angaben bislang keine Hinweise, daß Kampfflugzeuge der Allianz einen Bus bei Pec getroffen haben.Dabei waren nach Angaben aus Belgrad am Montag 20 Menschen getötet und 43 verletzt worden, vor allem Frauen und Kinder."Wir haben keinen Hinweis darauf, daß die NATO in diesen Vorfall verwickelt ist", sagte NATO-Sprecher Jamie Shea am Dienstag in Brüssel.

Shea erklärte, alle Kameraaufnahmen aus dem fraglichen Gebiet seien gründlich kontrolliert, alle Piloten befragt worden.NATO-Vertreter äußerten die Vermutung, daß der Bus von Mörsergranaten oder Maschinengewehrfeuer getroffen worden sei.In dem Gebiet habe es schwere Gefechte zwischen serbischen Streitkräften und der Kosovo-Befreiungsarmee UCK gegeben.Shea zufolge nahmen die NATO-Bomber im Kosovo neben strategischen Zielen auch gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie, Radar, Kommandoposten, Fliegerabwehr und Truppeneinheiten unter Beschuß."Wir schalten die Streitkräfte im Feld aus", sagte er.

Insgesamt schwächte die Luftwaffe der Allianz ihre Angriffe in der Nacht zum Dienstag jedoch offenbar ab.NATO-Bomber griffen am frühen Dienstagmorgen zweimal die serbische Stadt Vranje in der Nähe der Grenze zu Mazedonien an, wie die amtliche jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug meldete.Explosionen wurden auch rund um Pristina gemeldet.

Am späten Montag hatten NATO-Jets das Gebäude des staatlichen serbischen Fernsehens in Novi Sad in Brand geschossen.Außerdem erfolgten Angriffe auf Strazevica, südlich von Belgrad, und im Gebiet Batajnica, wo ein Militärflughafen liegt.Getroffen wurden laut Tanjug auch Kraljevo, 100 Kilometer südlich von Belgrad, und das nahegelegene Dorf Ladjevci.Nach dem jüngsten Angriff auf wichtige Kraftwerke lagen Teile Belgrads in der Nacht zum Dienstag noch immer im Dunkeln.Das Institut für Frühgeborene erklärte, das Leben von 70 Kindern sei wegen der Stromausfälle in Gefahr.

Der französische Präsident Jacques Chirac verteidigte die NATO-Angriffe als "beispielhaft".Der Konflikt um das Kosovo habe keine "höheren wirtschaftlichen oder strategischen Ziele, sondern ist allein begründet auf Moral und Ehre der Nationen", sagte Chirac in einer im Fernsehen ausgestrahlten Rede.Unter Hinweis auf die anhaltende Vertreibung der Kosovo-Albaner sagte er, er sehe keinen Anlaß, der Regierung in Belgrad zu vertrauen.

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