Politik : Allianz nennt Teilabzug aus dem Kosovo "bedeutungslos"

BRÜSSEL/GENF (AFP/AP).Die Nato hat den Teilabzug jugoslawischer Einheiten am Donnerstag als "bedeutungslos" bezeichnet.Nach Berichten von Journalisten verließen bis zu 250 Soldaten das Kosovo."Wir sprechen über Zahlen, die lächerlich sind", sagte der militärische Sprecher der Nato, Jertz, in Brüssel.Bei einer geschätzten Gesamtzahl von 40 000 seien 250 Mann "nichts", hieß es.Sprecher Shea wertete die Aktion als Veranstaltung für die TV-Kameras.Die Allianz habe keine Beweise für einen beginnenden Rückzug.Auch die Bundesregierung reagierte skeptisch.

Der jugoslawische Präsident Milosevic räumte derweil erstmals seit Beginn der Nato-Angriffe vor mehr als sieben Wochen Verluste in den eigenen Reihen ein.Bei Armee und Sicherheitspolizei seien Tote zu verzeichnen, hieß es in einer Botschaft zum Nationalen Tag der Sicherheit, wie die amtliche Agentur Tanjug meldete.Die Nato, die nun vor allem Einheiten im Kosovo angreifen will, wertete das Eingeständnis als Zeichen eines wachsenden Erfolgs der Nato.Nach Angaben der Allianz hat sie im Kosovo mehr als ein Viertel aller jugoslawischen Panzer und Artilleriegeschütze außer Gefecht gesetzt.Nach Informationen der USA verlassen immer mehr Familien hoher Militärs Jugoslawien.US-Verteidigungsminister Cohen verwies auf Berichte, wonach die "serbische Elite" ihre Familien und ihr Geld aus Belgrad und anderen Städten fortschaffe.

Trotz intensiver Bemühungen gelang es der Nato nicht, Rußland und China auf ihren Kurs einzuschwören.In Moskau wiederholte der russische Präsident Jelzin bei einer Begegnung mit seinem französischen Kollegen Chirac die Drohung, seine Regierung könnte ihre Vermittlungsbemühungen beenden, wenn das Bündnis die Angriffe nicht einstelle.Auch China forderte einen sofortigen Waffenstillstand als Voraussetzung für Verhandlungen.

Die Vereinten Nationen bemühten sich in Genf um eine aktivere Rolle.Dabei war UN-Generalsekretär Annan um eine deutliche Abgrenzung seiner Initiativen von den Interessen der Nato bemüht."Meine Gesandten werden keine Gesandten der Nato sein", sagte er nach seinem ersten Treffen mit den beiden UN-Beauftragten für den Balkan, Bildt und Kukan.

Tausende von Vertriebenen im Kosovo sind nach Angaben des albanischen Staatsfernsehens vom Tod durch Hunger und Epidemien bedroht.Unterdessen wurden weitere Flüchtlinge nach Deutschland ausgeflogen.Sie gehören zu einem zweiten Kontingent von bis zu 10 000 Menschen, die in Deutschland untergebracht werden sollen.Minister Schily kritisierte nach einem Besuch in Mazedonien und Albanien, daß die albanischen Behörden für Hilfsorganisationen Zölle und Steuern erheben.

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