Politik : Alliierte rechnen weiter mit Vermittler-Rolle Rußlands im Kosovo

BONN (AP/AFP).Ungeachtet anhaltender Meinungsunterschiede zwischen Rußland und den übrigen Mitgliedern der Balkan-Kontaktgruppe sind die Gespräche über eine mögliche Vermittlerrolle Rußlands im Kosovo-Krieg weitergegangen.Das berichtete ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Donnerstag morgen in Bonn nach einem Treffen von Bundesaußenminister Joschka Fischer mit dem russischen Vizeaußenminister Alexander Awdejew.

Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Wolfgang Ischinger, sagte im Berliner Inforadio, er rechne damit, daß der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic sein Waffenstillstandsangebot binnen kurzem nachbessere.Der Sender zitierte Ischinger mit den Worten: "Die russische Seite steht im intensiven Gespräch mit Belgrad, und ich bin ganz sicher, es wird nicht lange dauern, und das Angebot aus Belgrad wird nachgebessert werden."

Die NATO-Außenminister hatten Milosevics Angebot eines einseitigen Waffenstillstands am Mittwoch mit einem Forderungskatalog praktisch zurückgewiesen, indem sie von ihm verlangten, sämtliche bewaffneten Einheiten und nicht nur das Militär aus Kosovo abzuziehen und internationale Friedenstruppen hereinzulassen.

Auf der Ebene der politischen Direktoren hatten am Mittwoch bei einem Kontaktgruppen-Treffen in Brüssel die Streitpunkte nicht geklärt werden können.Das Treffen in der deutschen Botschaft in Brüssel war die erste Zusammenkunft seit Beginn des Luftkrieges der Nato gegen Jugoslawien am 24.März.Der Kontaktgruppe gehören neben Rußland die USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien an.

Trotz der von ihm begangenen Verbrechen wird der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic nach Ansicht von Außenamts-Staatssekretär Günter Verheugen (SPD) wahrscheinlich von der internationalen Gemeinschaft noch gebraucht.Es werde zwar "sehr schwer möglich sein", mit Milosevic zu verhandeln, sagte Verheugen dem NDR."Aber solange er derjenige ist, ohne dessen Unterschrift nichts läuft, werden wir seine Unterschrift brauchen." Eine nennenswerte demokratische Opposition gegen den Präsidenten sieht Verheugen derzeit in Serbien nicht.Die internationale Gemeinschaft habe die demokratischen Kräfte nicht genug unterstützt.

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