Alois Brunner : Mauerfall schützte NS-Verbrecher

Alois Brunner soll für den Tod von über 100 000 Menschen verantwortlich sein. Bislang unveröffentlichte Stasi-Akten zeigen nun: Die DDR war dem NS-Verbrecher auf der Spur, doch dann fiel die Mauer.

Brunner gilt als „Ingenieur der Endlösung“ und soll für den Tod von etwa 130 000 Juden verantwortlich sein.
Brunner gilt als „Ingenieur der Endlösung“ und soll für den Tod von etwa 130 000 Juden verantwortlich sein.Foto: afp

Der Mauerfall hat offenbar die Verhaftung des NS-Kriegsverbrechers Alois Brunner verhindert. Das berichtet das österreichischen Nachrichtenmagazins „Profil“ in seiner Montagsausgabe. Brunner war ein enge Mitarbeiter Adolf Eichmanns. Er soll 1989 kurz vor seiner Auslieferung in die DDR seine Taten gestanden haben.

Dies gehe aus Stasi-Akten hervor, die dem Magazin vorliegen. Zu den gleichen Ergebnissen kamen auch die Journalistin Beate Klarsfeld und ihr Mann, Anwalt Serge Klarsfeld. Das Ehepaar Klarsfeld kämpft seit Jahrzehnten gegen die Vertuschung von Nazi-Verbrechen.

Brunner gilt als der wichtigste bislang strafrechtlich nicht verfolgte Nazi-Kriegsverbrecher. Der ehemalige SS-Hauptsturmführer soll als „Ingenieur der Endlösung“ für den Tod von etwa 130 000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein. Er flüchtete nach Syrien.

Ob er heute noch am Leben ist, ist unklar.

Nach den bisher unveröffentlichten Stasi-Akten verhandelten die DDR und Syrien Ende 80er Jahre über eine Auslieferung Brunners. Der NS-Kriegsverbrecher sollte nach seiner Landung in Ostberlin umgehend verhaftet werden. Die Initiative ging vom Ehepaar Klarsfeld aus, berichtet das Magazin. „Wir haben der DDR vorgeschlagen, dass man Brunner in Damaskus festnimmt und nach Berlin-Schönefeld ausfliegt“, sagte Beate Klarsfeld dem Blatt.

Die Gespräche zwischen Ostberlin und Damaskus waren fast abgeschlossen: „Genosse Erich Honecker hat festgelegt, dass der Generalstaatsanwalt der DDR die erforderlichen Maßnahmen zur Vorbereitung der Strafverfolgung Brunners für den Fall seines Eintreffens in der DDR einleitet“, zitiert das Magazin eine Notiz des DDR-Außenministers Oskar Fischer vom April 1989. Bevor Brunner ausgeliefert werden konnte fiel die Berliner Mauer und die Kontakte nach Damaskus brachen ab.(dpa)

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