Politik : Als Hund im Kreisverkehr

Wieder sorgt eine Karikatur des Propheten Mohammed für Proteste – in Schweden und anderswo

Andre Anwar[Stockholm]

Gut ein Jahr nach den weltweiten Ausschreitungen wegen der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in der dänischen Tageszeitung „Jyllands Posten“ scheint der Streit eine seltsame Neuauflage zu erleben. Dieses Mal trifft es das Nachbarland Schweden. Eine Lokalzeitung druckte den islamischen Propheten Mohammed als „Kreisverkehrshund“ ab. Die Zeichnung stammt vom überaus renommierten schwedischen Künstler und Ex-Kulturtheorieprofessor Lars Vilk.

Mit einem verspäteten Beitrag zur dänischen Karikaturenkrise wollte er zwei Ausstellungen im Lande durchführen. Normalerweise ist das mit seinem bekannten Namen kein Problem. Weil Vilk aber in seiner Sammlung auch einige kontroverse Mohammed-Bilder hatte, lehnten beide Galerien eine Ausstellung der Exponate ab. „Die Sicherheit des Personals und der Besucher können nicht garantiert werden“, lautete die Begründung. Ähnlich wie in Dänemark zeigte sich die Presse empört über so viel vorauseilende Selbstzensur.

Ausgerechnet die Lokalzeitung „Nerikes Allehanda“ im östlich von Stockholm gelegenen Ort Örebro nahm sich dann der Sache des Künstlers an und druckte alle seine Bilder am 19. August ab. Darunter auch eine Darstellung Mohammeds als Hund im Kreisverkehr. Damit kam der Ball ins Rollen. Es gehe darum, auch mit Moslems einen Dialog über Pressefreiheit und Zensur anzustoßen, sagt Chefredakteur Ulf Johansson. „Eine liberale Gesellschaft muss zwei Dinge gleichzeitig können. Auf der einen Seite die Religionsfreiheit der Muslime und deren Recht, Moscheen zu bauen sicherstellen, auf der anderen Seite aber auch erlauben, die obersten islamischen Symbole, wie auch die Symbole aller anderen Religionen herunterzumachen“, sagt Johansson. Landesweite Medien debattierten über Sinn und Unsinn von Vilks Werken und publizierten seine Bilder zum Teil. Ist in der Kunst alles erlaubt? Wann müssen sich Aussteller oder Journalisten zurückhalten und wann dürfen sie nicht davor zurückscheuen, provozierende Kunst zu veröffentlichen? Die künstlerische Qualität von Vilks Bildern wurde unter die Lupe genommen und von Kulturredakteuren teils als ästhetisch völlig unzureichend kritisiert. Aber Kunst sei Kunst, ob sie nun gut oder schlecht sei, hieß es.

Iran, Pakistan und Afghanistan protestierten scharf. Der Tenor erinnerte an den von vor einem Jahr: Die Bilder seien eine Verunglimpfung des Islams. Am Freitag kam es zu Demonstrationen muslimischer Organisationen und mehrerer hundert Teilnehmer vor dem Redaktionsgebäude der Lokalzeitung in Örebro. Sie forderten eine Entschuldigung und das Versprechen von der Redaktion, dass eine vergleichbare Veröffentlichung nie wieder vorkomme. Gegen Lars Vilk hagelt es inzwischen auch Morddrohungen. Der provokante Künstler, der häufig mit dem Deutschen Joseph Beuys verglichen wird, findet die Reaktionen „völlig übertrieben“. Schließlich stelle er gerade in Norwegen ein Bild aus, auf dem Mohammed einem Juden die Kehle durchschneidet, während ihm ein Nazi zuschaut. „Da gab es gar keine Aufregung“, sagt Vilk. Dem Druck nachgeben möchte er nicht. Im Gegenteil. Er verstärkt ihn bewusst. Auf seiner Internetseite fügte er eine weitere Zeichnung hinzu. Sie ergänzt den viel debattierten „Kreisverkehrshund Mohammed“ mit einem Schild auf dem steht: „Islam means human & animal rights“ – Islam bedeutet Menschen- und Tierrechte. Damit nicht genug. Nachdem eine Journalistin Vilk dafür kritisierte, er sei zu feige gewesen, eine „Judensau“ zu zeichnen, tat Vilk genau dies: Die Judensau ist nun ebenso auf der Homepage zu sehen. Eine liberale moslemische Organisation in Schweden, die den Konflikt eindämmen wollte, indem sie Vilks Mohammedzeichnungen offiziell ausstellt, zog daraufhin ihr Mittlungsangebot zurück. Mit Lars Vilks „zweifellos antisemitischem Zerrbild“ wolle man als liberale muslimische Organisation nichts zu tun haben. Der Künstler habe da eine „wichtige Grenze überschritten“. Lars Vilk fühlt sich missverstanden. „Man muss mehr als blind sein, um misszuverstehen, dass dies nur die Parodie einer Karikatur sein soll“, sagt er.

www.vilks.net/?p=970

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