Politik : Als Schwarz-Grün schon mal gedacht wurde

Dagmar Dehmer

Berlin - Vor 13 Jahren hat Günther Oettinger, der heutige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, in Stuttgart schon einmal mit den Grünen verhandelt. Nach der Landtagswahl im Frühjahr 1992 sondierte die CDU in zwei Runden von je vier Stunden, ob womöglich auch mit den Grünen eine Koalition möglich wäre. Es endete dann mit einer großen Koalition mit dem heutigen Linkspartei-Politiker Ulrich Maurer und dem längst vergessenen Wirtschaftsminister Dieter Spöri.

Günther Oettinger, damals schon Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag, war bei diesen Sondierungsgesprächen allerdings zum Schweigen verdammt. Denn die CDU war zwar, wie die Grünen, mit je acht Verhandlungsführern in der Villa Reizenstein in Stuttgart aufgelaufen. Reden durfte aber nur Ministerpräsident, Erwin Teufel, den Oettinger nach langem Warten erst vor kurzem abgelöst hat. Teufel ließ sich von seinem damaligen Generalsekretär Volker Kauder die angestrichenen Textstellen im grünen Programm anreichen und bestritt die Verhandlungen allein. Von CDU-Seite sind heute nur noch Kauder und Oettinger im Geschäft.

Auf der grünen Seite sind dagegen die meisten Verhandlungsführer von damals heute in Berlin. Fritz Kuhn, damals Landesvorsitzender, hat den grünen Wahlkampf gemanagt. Reinhard Bütikofer ist heute Bundesvorsitzender der Grünen. Birgitt Bender gehört als Sozialpolitikerin der Bundestagsfraktion an. Nur Rezzo Schlauch hat gerade aufgehört. Von grüner Seite könnten einige auf Erfahrungen aus dem Experiment im Südwesten zurückgreifen. Es könnte die Stunde des Fritz Kuhn werden. Er gilt als undogmatisch, als Stratege, der gerne Strippen zieht, und als einer, der einen Kompromiss mit Union und FDP auf eine Formel bringen könnte, die sein Parteifreund Bütikofer der grünen Basis möglicherweise sogar plausibel machen könnte.

Wären die Sondierungsgespräche vor 13 Jahren erfolgreich gewesen, wäre womöglich das Atomkraftwerk Obrigheim schon etwas früher abgeschaltet worden. In dieser Frage schien ein Kompromiss möglich. Letztlich gescheitert ist Schwarz-Grün in Stuttgart am Streit über Umgehungsstraßen, die die CDU wollte, die Grünen nicht.

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