Politik : „Also – hier bin ich!“

Castro erstmals seit Juni wieder im Fernsehen – 81-jähriger Staatschef sichtlich geschwächt

Berlin - Wohl kaum einer wurde so oft totgesagt wie er – doch Fidel Castro lebt noch immer. Und nach wie vor registriert eine interessierte Weltöffentlichkeit aufmerksam jede Nuance der Entwicklung seines Gesundheitszustandes. Zuletzt war es sein venezolanischer Freund, Staatschef Hugo Chávez, der am Freitag erzählte, der erkrankte kubanische Revolutionsführer habe ihm bei einem Telefongespräch vor drei Wochen erklärt, er sei „beinahe gestorben“. Die Ärzte hätten praktisch das gesamte Blut Castros ausgetauscht. „Eine Operation, zwei Operationen, drei Operationen, mit 81 Jahren – er war fast tot“, sagte Chávez.

Nur wenige Stunden später war der 81-jährige Castro, der vor mehr als einem Jahr die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl übergab, erstmals seit mehreren Monaten wieder im kubanischen Staatsfernsehen zu sehen. Er machte einen geschwächten, aber stabilen Eindruck und reagierte auf Gerüchte über seinen Tod mit einem trotzigen „Also – hier bin ich!“. Bekleidet mit einer Trainingsjacke in den kubanischen Nationalfarben Rot-Weiß-Blau über dem Schlafanzug, sprach der Abgemagerte, langsam, manchmal undeutlich und mit längeren Pausen, während eines fast einstündigen Interviews über aktuelle Ereignisse. Er erwähnte den Rohölpreis sowie den Dollar-Euro-Wechselkurs, kritisierte die Außenpolitik des von ihm gern „Bushecito“ – „Büshlein“ – genannten US-Präsidenten George Bush, äußerte sich zum Klimawandel, zeigte, offensichtlich um die Aktualität der Aufnahmen noch zu unterstreichen, ein Exemplar der in dieser Woche erschienenen Autobiografie des ehemaligen US-Notenbankchefs Alan Greenspan – und mokierte sich über Spekulationen, wonach es ihm schlechter gehe. „Ob man im Sterben liegt oder ob man morgen stirbt, ... niemand weiß, an welchem Tag man stirbt“, sagte Castro. Zuletzt war am 5. Juni ein Video Castros ausgestrahlt worden, zum Nationalfeiertag am 26. Juli und zu seinem Geburtstag am 13. August gab es keine Neuigkeiten.

Dem „Máximo Líder“, der selbst keine Details über seinen Zustand preisgab, gehe es inzwischen viel besser, ließ dafür sein Verbündeter Chávez wissen. Er könne „noch 100 Jahre am Leben“ bleiben. Zudem habe Fidel ihm gesagt, er sei sehr glücklich: Denn dank der Krankheit habe er jetzt „endlich mehr Zeit zum Fernsehen, Schreiben und Denken“.mis/dpa

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