Politik : Alter Bekannter

Der Ägypter Ahmed fiel in Deutschland schon 1999 auf. Terrorpläne soll er woanders geschmiedet haben

Frank Jansen

Berlin - Hat der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Madrid, Rabei Osman al Sayed Ahmed, schon in Deutschland Terrorpläne geschmiedet? Sicherheitsexperten schließen diese Möglichkeit aus, obwohl sich Ahmed über zwei Jahre im Saarland aufgehalten hat. Der am Montag in Mailand festgenommene Ägypter reiste vermutlich im Frühjahr 1999 in die Bundesrepublik ein und setzte sich im August 2001 wieder ab.

Was die Attentatsplanung betrifft, hatten italienische Sicherheitsbehörden ein Telefonat abgehört, in dem Ahmed die Idee zu den Attentaten von Madrid für sich reklamierte – und davon sprach, er habe mehr als zwei Jahre für deren Vorbereitung gebraucht. Das würde bedeuten, dass mit der Planung vor dem Irakkrieg begonnen worden ist. Sicherheitexperten zweifeln aber daran, ob diese Zeitangaben überhaupt stimmen. Die Anschläge wurden am 11. März diesen Jahres verübt. 191 Menschen starben, als in Vorortzügen in der spanischen Hauptstadt Rucksackbomben explodierten.

Der 32 Jahre alte Ahmed fiel den deutschen Behörden erstmals im Juni 1999 auf. Ahmed, alias „Mohammed der Ägypter“, versuchte, ohne Papiere per Bahn vom Saarland nach Frankreich zu reisen. Die französischen Behörden nahmen ihn fest und brachten ihn nach Deutschland zurück. Bis September 2000 saß Ahmed im Saarland in der JVA Ottweiler in Abschiebehaft. Da seine Nationalität nicht klar war – Ahmed bezeichnete sich als staatenloser Palästinenser – erhielt er eine Duldung und wurde in die Landesaufnahmestelle für Asylbewerber in Lebach überstellt. Dort richtete Ahmed einen Gebetsraum ein und hielt Hasspredigten gegen Juden. Davon erfuhr auch der saarländische Verfassungsschutz. Einen Terrorverdacht habe es jedoch nicht gegeben, sagte ein Sicherheitsexperte dem Tagesspiegel. Wohin Ahmed im August 2001 verschwand, ist unklar. Experten nennen Frankreich und Spanien.

Die spanischen Behörden wurden 2002 auf Ahmed aufmerksam – offenbar ohne zu ahnen, was er plante. Nachdem sich die Spanier mehrmals an deutsche Kollegen gewandt hatten, legte Generalbundesanwalt Kay Nehm einen Prüfvorgang an. Das saarländische Landeskriminalamt konnte aber nur einige Telefonkontakte Ahmeds rekonstruieren. Dies reichte für ein Ermittlungsverfahren nicht aus. Wegen der jüngsten italienischen Erkenntnisse über Ahmed hat die Bundesanwaltschaft am Freitag die Ermittlungen zu den Anschlägen von Madrid auf Ahmed ausgeweitet. Der Generalbundesanwalt hatte Mitte März ein Verfahren eingeleitet, weil in Madrid eine Deutsche verletzt worden war. Gegen Ahmed wird jetzt wegen Verdachts auf Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und anderer Delikte ermittelt. Ein weiteres Verfahren zu Madrid richtet sich gegen den Marokkaner Fouad A., der sich 2003 in Darmstadt aufgehalten haben soll. Fouad A. stand vermutlich in Kontakt zu Ahmed.

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